Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit Martin-Luther-Medaille geehrt

Nachricht 31. Oktober 2009

Emden (epd). Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (89) ist am Sonnabend im ostfriesischen Emden mit der Martin-Luther-Medaille des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geehrt worden. Weizsäcker habe sich um den Protestantismus besonders verdient gemacht, sagte die neue Ratsvorsitzende der EKD, die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, in ihrer Laudatio. Käßmann überreichte die Medaille an den CDU-Politiker bei einem Empfang zum Reformationsfest in der Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek. Die EKD hatte dazu gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer eingeladen. 

Mit der Martin-Luther-Medaille soll bis zum Reformationsjubiläum 2017 jährlich herausragendes Engagement für den deutschen Protestantismus gewürdigt werden. Die Ratsvorsitzende lobte von Weizsäcker als evangelische Persönlichkeit. Er habe sich Martin Luthers Verständnis von der Freiheit eines Christenmenschen zu eigen gemacht. Weizsäcker lebe von einer inneren Haltung, die das altmodische Wort dienen so ernst nehme, dass es junge Menschen zur Nachahmung einlade. 

Weizsäcker habe stets Tyrannei und Unterdrückung, alle Tendenzen von Machtmissbrauch und radikal antidemokratische Kräfte bekämpft. "Alle Formen von politischer Unfreiheit haben sie schonungslos beim Namen genannt, diplomatisch im Ton, aber ohne Kompromiss in der Sache", sagte Käßmann. Mit seiner Weitsicht und Überzeugungskraft sei er für viele Menschen, auch für sie selbst, zum Vorbild geworden. Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag habe er zu einer Weltinnenpolitik aufgefordert, als das Schlagwort von der Globalisierung noch ein Fremdwort gewesen sei.

Weizsäcker hatte in Staat und Kirche hohe Ämter inne. Der CDU-Politiker war von 1984 bis 1994 Bundespräsident und zuvor unter anderem Regierender Bürgermeister von Berlin und Bundestagsabgeordneter. Der evangelische Christ gehörte dem Rat der EKD von 1967 bis 1985 an. Weiter war er Mitglied der EKD-Synode, der Kammer für Öffentliche Verantwortung und Kirchentagspräsident. Im vergangenen Jahr wurde die Martin-Luther-Medaille erstmals verliehen. Preisträger war der evangelische Theologe und Liederdichter Klaus-Peter Hertzsch aus Jena. 

Der Kirchenpräsident der gastgebenden Evangelisch-reformierten Kirche, Jann Schmidt, warb in seiner Predigt zum Reformationstag für eine Stärkung der Ökumene. Viele Impulse zur Weiterentwicklung der Kirchen würden heute von der ökumenischen Bewegung ausgelöst. "Ökumene könnte man als neuen Namen der Reformation bezeichnen", sagte Schmidt.

Internet: www.ekd.de

epd lnb jön mir/31.10.2009
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