Künftig zulässig: Erst Kirche - dann Standesamt

Nachricht 05. Februar 2007

B e r l i n (idea) – Wer sich erst kirchlich und dann erst standesamtlich trauen lassen will, begeht künftig keine Ordnungswidrigkeit mehr. Das sieht ein Personenstandrechtsreformgesetz vor, das zum 1. Januar 2009 in Kraft treten soll. Das teilte das Bundesinnenministerium auf Anfragen von Christen mit. Allerdings werde eine nur kirchlich geschlossene Ehe auch weiterhin keine rechtliche Wirkung haben. Hintergrund der Anfragen: In manchen christlichen Kreisen wird eine kirchlich geschlossene „Seniorenehe“ als Möglichkeit diskutiert, um das aus finanziellen Gründen von Witwen und Witwern praktizierte Zusammenleben ohne Trauschein zu vermeiden. Man werde vor Gott eine verbindliche Partnerschaft eingehen können, ohne aus einer früheren Ehe erworbene Rentenansprüche zu verlieren. Durch das Schreiben aus dem Ministerium sieht sich der frühere Generalsekretär des evangelischen Fachverbandes für Sexualethik und Seelsorge „Weißes Kreuz“, Pfarrer Gerhard Naujokat (Kassel), in seiner Forderung nach Einführung einer „Rentnerehe“ für verwitwete Christen bestätigt. Ältere Menschen dürften nicht wegen des drohenden Verlusts von Rentenansprüchen in „wilde“ Partnerschaften gedrängt werden. Dass eine „Kirchenehe“ keine juristischen Konsequenzen hat, ficht Naujokat nicht an. Wichtig sei den betroffenen Personen „die Bejahung und der Segen der christlichen Gemeinde“ für ihre Beziehung: „Sie gehen vor der Gemeinde eine Verbindlichkeit ein, bis der Tod sie scheidet.“ Eine solche Vertrauensgemeinschaft benötige keine Rechte. Das Ziel einer solchen „Kirchenehe“ sei ja, dass das Rentenrecht nicht durch eine christliche Trauung berührt werde.

Negative Auswirkungen auf die Bereitschaft junger Paare, eine Ehe einzugehen, befürchtet Naujokat nicht: „Die standesamtliche Trauung für junge Paare bleibt unangefochten, denn sie bringt den jungen Ehen und Familien Sicherheit, die die Alten nicht mehr brauchen. Die Jungen stehen vor dem Aufbau ihres Lebens und ihrer Familie. Für die Alten ist das vorbei. Sie organisieren nur noch die letzte Phase.“ Naujokat hofft, dass das neue Gesetz dazu führt, „geistliche Hemmschwellen“ gegenüber einer „Kirchenehe“ zu beseitigen. Mit seiner Forderung stößt Naujokat bisher in evangelikalen Kreisen überwiegend auf Widerstand.
(03.02.2007/10:33)
Copyright: Evangelische Nachrichtenagentur idea
E-Mail: idea@idea.de