"Er war immer für uns da"

Tagesthema 08. März 2018

Einer der engagiertesten Kirchenvorsteher in Osnabrück hört nach 18 Jahren auf

Wie immer leger gekleidet in Jeans und Baumwoll-Sakko durchschreitet Klaus Havliza "seinen" Kindergarten in der evangelischen Andreasgemeinde in Wallenhorst bei Osnabrück. Lächelnd und zugewandt begrüßt der Kirchenvorstandsvorsitzende die Erzieherinnen und Kinder. Einem in der Ecke hockenden Jungen mit Schlafzimmerblick ruft er zu: "Na, du bist aber noch ganz schön müde." Der Angesprochene reißt die Augen auf und schüttelt den Kopf. Havliza lacht. 

In der Einrichtung mitten in einer Neubausiedlung der 1990er Jahre fühlt der 69-Jährige sich richtig wohl. Vor gut 18 Jahren hat dort seine Ehrenamts-Karriere begonnen. Mittlerweile gehört Havliza zu den engagiertesten Kirchenvorstehern im Kirchenkreis Osnabrück. 

Wovor viele Menschen zurückschrecken - sich langfristig an eine ehrenamtliche Aufgabe zu binden - hat ihm den größten Spaß bereitet. Jetzt findet der pensionierte Richter, es ist genug. Bei den bevorstehenden landesweiten Kirchenvorstandswahlen am 11. März wird er nicht erneut kandidieren. "Nach so langer Zeit sollen da mal Jüngere ihre Idee einbringen." 

In allen fünf evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen wird es nach Angaben der Verantwortlichen immer schwerer, Kandidaten für eine sechsjährige Amtszeit finden. In manch einer Gemeinde sind nur gerade so viele Kandidaten aufgestellt, wie Posten zu besetzen sind, sagt Hartmut Salewski vom Landeskirchenamt der hannoverschen Landeskirche. In der Andreasgemeinde ist das zwar anders, aber dort vermissen sie Havliza trotzdem schon jetzt. 

Er avancierte im Laufe der Zeit zum Verantwortlichen für 20 Kindertagesstätten im Kirchenkreis. Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender des Kirchenkreisvorstands und im Vorstand weiterer kirchlicher Gremien: "Dabei war ich am Anfang eigentlich nur zweite Wahl", erzählt er mit einem verschmitzten Lachen. 

"Es ist so leicht, Menschen eine Freude zu machen. Warum sollen wir es dann nicht tun?"

Zuerst sei nämlich damals seine Frau gefragt worden, ob sie für den Kirchenvorstand kandidieren wolle. "Aber die ist katholisch", sagt Havliza. Sohn Lukas war gerade im letzten Kindergartenjahr. Also sprang der Papa in die Bresche.  

Auch die Mitarbeiterinnen des Kindergartens lassen Havliza nur schweren Herzens gehen. "Er war immer ansprechbar für uns, hat uns in Konflikten beraten und auch seine Wertschätzung zum Ausdruck gebracht", schwärmt Leiterin Britta Finke. Er habe zum Beispiel damit begonnen, zu Weihnachten immer allen Erzieherinnen eine Rose zu schenken. "Es ist so leicht, Menschen eine Freude zu machen. Warum sollen wir es dann nicht tun?", sagt Havliza. 

Zu Anfang habe er überhaupt nicht gewusst, was von ihm im Kirchenvorstand erwartet worden sei, erzählt Havliza. Doch durch die Kolleginnen und Kollegen und den Pastor war er schnell mittendrin. "Nachdem ich ihnen den kleinen Finger gereicht hatte, haben sie gleich meine ganze Hand genommen", sagt er lachend.

Bei den monatlichen Sitzungen ging es um Finanzen, Bauunterhaltung, den Kindergarten, Gottesdienstordnungen oder Gemeindefeste. "Er war ein großer Schatz für uns", sagt Pastor Hans-Georg Meyer-ten Thoren, heute Superintendent im benachbarten Kirchenkreis: "Weil er so besonnen und ausgleichend ist und eine hohe soziale Kompetenz hat."

Gereizt habe ihn bei der Arbeit immer, dass die evangelische Kirche ihren Ehrenamtlichen so viel Verantwortung zutraue, sagt Havliza. "Und die wollen wir uns auch nicht nehmen lassen." So sei etwa der Kindergartenausschuss des Kirchenkreises für rund 400 Beschäftigte zuständig. Ein Kirchenvorstand bestimme zum Beispiel, wer als Pastor oder Pastorin neu eingestellt werde. "Wenn der KV sagt, den Bewerber wollen wir nicht, dann fangen wir mit der Suche wieder von vorne an."

Dabei war der KV-Vorsitzende sich auch für einfache Dienste nie zu schade wie Stühle schleppen oder Geschirr spülen. Mit Hingabe hat er bei Gemeindefesten Würstchen gegrillt. "Dafür haben sie mir vor einigen Jahren sogar eine goldene Bratwurst verliehen", erinnert sich der Rentner. 

Havliza findet, mit fast 70 sei ein guter Zeitpunkt aus dem Kirchenvorstand und auch der Arbeit im Kirchenkreis auszusteigen. Engagieren will er sich aber weiterhin. "Zu Hause sitzen und Stunden lang ein Buch lesen - das kann ich nicht." 

Martina Schwager (epd)

Andreasgemeinde Wallenhorst

Die Ev.-luth. Andreasgemeinde ist eine relativ junge Gemeinde im bis heute noch überwiegend katholischen Wallenhorst. Mit einem vielfältigen Angebot an Gottesdiensten, Gruppen und Kreisen, Aktionen und diakonischen Projekten möchten die Mitglieder den christlichen Glauben und die frohe Botschaft von Jesus Christus in der evangelischen Gemeinde lebendig gestalten, leben und für die Menschen da sein.

Vor einigen Jahren wurde die Gemeinde als "Diakonische Gemeinde" durch das Diakonische Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers für die langjährige Arbeit und das Engagement in der Kleiderkammer der Andreasgemeinde und der Ökumenischen Hospizgruppe Wallenhorst ausgezeichnet.

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"Sie alle sind bereit, sich für ihre Kirchengemeinde einzusetzen und mit ihrem Wissen einen wertvollen Dienst für das kirchliche Leben vor Ort zu leisten. Ich bin ihnen allen von Herzen dankbar." 

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