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Vom Loslassen und Auffangen

Tagesthema 17. Juni 2017

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis

Es ist eine Freude für jedes kleine Kind: Flugzeug spielen. Papa oder Mama werfen das Kind mit einem langgezogenen „Huiii“-Ausruf hoch in den Himmel. Es ‚fliegt‘ dann einen Moment lang in der Luft bevor es wieder sicher in den elterlichen Armen landet. „Nochmal“, ruft das Kind dann unmittelbar nach der Landung. Und schon geht der nächste Himmelsritt los. Das geht dann solange, bis Papa aus der Puste ist oder Mamas Arme nicht mehr können. Nur das Quieken und Lachen der kleinen Piloten kennt keine Grenzen, wenn beim Schweben der Bauch kribbelt und kurz der Fahrtwind ins Gesicht pustet.

Wenn ich solch eine Szene bei jungen Familien im Park beobachte oder bei meinen Nichten und Neffen selbst zur Startrampe werde, dann fasziniert mich immer wieder eines: Wie sehr Vertrauen und Freude miteinander verbunden sind. Dieses grenzenlose Vertrauen des Kindes zu seinen Eltern. Da wird kein Gedanke an einen möglichen Absturz verschwendet. Da ist wer, der fängt mich auf. Ganz sicher. So lassen sich auch Höhenflüge genießen, die ja bekanntlich kürzer sind, als einem lieb ist. 

„Lass sich freuen alle, die auf dich trauen“ (Ps 5,12) - so heißt es im fünften Psalm. Ein Lied von Leitung und Bewahrung im Leben. „Ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmest sie. Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!“ - damit endet der Vers. Freude und Vertrauen, fröhlich sein und sich beschirmt fühlen – das liegt hier dicht beieinander.

Nicht jedes Loslassen bereitet Freude wie beim Kinderspiel. Bei Abschieden zum Beispiel, seien es die kleinen oder die endgültigen. Manchmal ist das Kribbeln im Bauch eher ein mulmiges Gefühl, weil noch gar nicht abzusehen ist, wo die Reise hingeht oder wer einen am Ende auffängt. Da tut eine Portion Gottvertrauen gut. Sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass da einer ist, der auf mich achtgibt. 

Doch wer in unbekanntem Terrain stets nur Holzweg befürchtet, der bringt sich um den eigenen Schwung fürs Leben. Und wenn die ganze Welt Kopf steht, der Blick durch die Brille des Vertrauens sucht stets nach Neuanfängen, nach den Möglichkeiten weiterzugehen. Ist das nicht ein Grund zur Freude? Das ist dann nicht die schlichte Freude sonniger Frohnaturen, sondern trotzige, durchlebte Freude, die gegen den Anschein anstrahlt. Das ist eine Sache der Einübung und keine einfache Lektion.

Das weiß auch der Psalmsänger und bittet Gott: „Leite mich auf dem richtigen Weg und zeige mir, wo ich gehen soll.“ Für alle, die loslassen, die aufbrechen, sich aufmachen, oder für die, die in der Luft hängen und nicht so recht weiter wissen, hat Gott ein Geschenk: seinen Segen. Und der ist immer dort zu spüren, wo sich Vertrauen und Freude miteinander verbinden. 

Pastor Fabian Gartmann

Die Andacht bezieht sich in dieser Woche nicht auf den Predigttext.

Der Bibeltext

Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmest sie. Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!

Psalm 5,12