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Ein ganz besonderer Pfennig

Tagesthema 18. März 2017

Andacht zum Sonntag Okuli

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Wahrscheinlich kennen Sie dieses Sprichwort. 

Als ich noch klein war, habe ich immer und überall meine wenigen Geldstücke mit mir rumgetragen. Das Wort Taschengeld war für mich noch bedeutungslos. Aber ich wusste, um mir eine Bunte-Tüte am Kiosk kaufen zu können, brauche ich Geld.

Welches Geldstück wie viel wert war, das machte sich für mich eher an der Farbe fest.

Die kleinen roten Pfennige, mit den Blättern auf der Rückseite, waren meine Lieblings-Geldstücke. Klar, davon hatte ich auch am meisten in meiner Sammlung. Wenn man die ordentlich am Pullover rieb, schimmerten sie so schön. 

Das Scherflein der Witwe, ist wohl der berühmteste Pfennig überhaupt. Immerhin kommt dieses Geldstück in einer der wenigen Bibelgeschichten vor, in denen es um Geld geht.

Jesus setzt sich neben die Spendenbox im Tempel und beobachtet ganz genau, wer wieviel in den Kasten wirft. Wie ich finde, ein etwas indiskretes Verhalten, aber es hat sicherlich Wirkung gezeigt bei den reichen Herrschaften. Man möchte ja nicht knickerig wirken.

Nun kommt eine arme Witwe, kramt in ihren Taschen und wirft ihre beiden letzten Pfennige hinein. Da springt Jesus auf und erklärt lauthals: „Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.“ (Mk 12,43f.)

Wir Christen tun uns ja manchmal etwas schwer, über Geld und seinen Wert zu sprechen, vor allem wenn es um den persönlichen Kontostand geht.

Kein Wunder, wenn man solche Bibelverse im Ohr hat, wie: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Dabei könnte man das Sprichwort auch mal andersherum betrachten: Wer den Taler spendet, der hat früher bestimmt auch mal den Pfennig geehrt.

Wer sagt denn, dass die reichen Spender in dieser Szene schlechtere Menschen sind als die arme Witwe? 

Was Jesus an der Witwe so beeindruckt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Erspartes abgibt. Denn Geben, wenn man viel hat, ist leicht.

Aber etwas spenden, das man über einen langen Zeitraum liebevoll gesammelt hat, das verdient Respekt!

Meret Köhne, Medienvikarin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Der Bibeltext

Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Mk 12, 41-44