Bild: Johannes Neukirch

Nationalistischen Tendenzen widerstehen

Tagesthema 09. Januar 2017

Landesbischof Ralf Meister und Ministerpräsident Weil beim Epiphanias-Empfang im Kloster Loccum

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) haben dazu aufgerufen, populistischen Tendenzen in der Gesellschaft zu widerstehen. "Wir folgen nicht den lautesten Rufern und den schnellsten Vorschlägen", sagte Meister am Freitag beim 67. Epiphanias-Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum bei Nienburg. 

Meister erinnerte vor rund 140 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft und Kultur in Niedersachsen an die Lehren aus der NS-Zeit. "Wir bleiben skeptisch bei einer Idealisierung des Volkes und nationaler Ausgrenzung", sagte er. Angesichts einer "neuen Unordnung" in der Welt seien die Rufe nach einer kraftvollen, neuen Ordnung mit Regeln, denen alle zu folgen hätten, der falsche Weg. 

Die Weltlage und die Hilflosigkeit Europas angesichts internationaler Konflikte sei beunruhigend: "Der Aufstieg neuer, lautstarker Helden, auch in demokratischen Gesellschaften, irritiert", sagte der Bischof und fügte hinzu: "Der Umgang mit dem islamistischen Terror und mit Menschen, denen ihr eigener Tod mehr wert ist als uns unser Leben, wirft grundlegende Ordnungen um."

Weil sagte, in einer Zeit unübersehbarer Umbrüche würden von den Politikern Antworten erwartet, die überzeugender seien als die einfachen Parolen der Populisten. Er verwies dabei auf den Terror und internationale Krisen, aber auch auf die wirtschaftliche Stärke und die Lebenszufriedenheit in Deutschland.

Zu den wichtigsten Herausforderungen gehöre die innere Sicherheit. "Die Bürgerinnen und Bürger wissen aber sehr wohl zwischen Sicherheit und simulierter Sicherheit zu unterscheiden", betonte Weil: "Eine sich selbst überschlagende Welle von immer neuen Gesetzesvorschlägen schafft gerade nicht Sicherheit, sondern schürt Unsicherheit."

Der Ministerpräsident stellte sich hinter die große Zahl der Flüchtlinge und Muslime im Land. "Die überwältigende Mehrheit von in Deutschland lebenden Muslimen sind nicht etwa verkappte Extremisten, sondern genauso anständige Bürger wie alle anderen auch", betonte er. Unter großem Applaus würdigte Weil den Einsatz der vielen Menschen, die sich nach wie vor für die Integration von Flüchtlingen engagierten.

epd/ Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Zwischen Tradition und Moderne

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers lädt seit 67 Jahren Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum Jahreswechsel zu einem Empfang in das mehr als 850 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum bei Nienburg ein.

Der ehemalige Landesbischof Hanns Lilje hatte 1950 nach seiner Wahl zum Loccumer Abt erstmals zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. Lilje zu Ehren, der vor 40 Jahren am 6. Januar 1977 starb, wurde die Feier auf den Epiphaniastag (6. Januar) verlegt. Sie ist seitdem der erste offizielle politische Termin des neuen Jahres im Bundesland Niedersachsen.

epd/ Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Wir folgen nicht den lautesten Rufern und den schnellsten Vorschlägen. Wir bleiben skeptisch bei einer Idealisierung des Volkes und nationaler Ausgrenzung.

Landesbischof Ralf Meister