Bild: Marco Mueller

Qualität statt Masse

Tagesthema 02. März 2016

Das Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim startet in die zweite Spielzeit

Das zweite Buch gilt unter Autorinnen und Autoren als das schwerste. Ähnlich ging es Dirk Brall, dem Intendanten des Literaturhauses St. Jakobi Hildesheim, als er die zweite Spielzeit plante. „Wie hält man das Niveau?“, fragte er sich. Nun ist die erste Hälfte des berüchtigten zweiten Jahres vorüber, die zweite steht mit großen Namen vor der Tür, und Dirk Brall zieht zufrieden eine Zwischenbilanz: „Wir sind gut im Hildesheimer Kulturleben angekommen.“

Nicht nur dort: Über die Grenzen der Region hinaus hat das 2014 gestartete Literaturhaus ein Publikum gefunden. Besonders bei den bekannten Namen nehmen auch Buchfans aus Hannover, dem Harz oder dem Weserbergland Kurs auf Hildesheim – im zurückliegenden Herbst bei Ralf Rothmann und besonders bei Meike Winnemuth, die die Kirche mit 245 Besucherinnen und Besuchern restlos ausverkaufte. Noch mehr Menschen kamen beim Lichtkunstwochenende „Lichtungen“, dem St. Jakobi als Festivalzentrum diente. Rund 3000 waren es wohl, schätzt Dirk Brall.

Christine Westermann. Bild: Bettina Fürst-Fastré

In den kalten Wintermonaten ist der Kirchraum kaum auf eine angenehme Temperatur zu bringen, deshalb ist zur Zeit noch Pause. Doch im März geht es wieder los, weiterhin unter dem Leitthema „Wald“. Bov Bjerg, dessen Roman „Auerhaus“ im Dezember einen durchschlagenden 4:0 Sieg im Literarischen Quartett einfuhr, ist am 10. März der erste Gast. Dirk Brall hatte nach der Ausstrahlung des Quartetts blitzschnell reagiert und Bjerg verpflichtet. „Ich hatte noch einen Programmplatz frei“, so der Intendant.

Weitere Lesungen in Kooperation mit der Universität Hildesheim und Ameis Buchecke runden das zweite „Wald“-Halbjahr ab. Studierende des Kreativen Schreibens präsentieren ihre Antologie „Landpartie“, Shida Bayzar liest aus ihrem Debüt-Roman über die grüne Revolution im Iran, Karl Wolfgang Flender, ebenfalls ehemaliger Student der Hildesheimer Uni, kommt mit „Greenwash“.

Die Reihe „stadtgeschichten“ wird mit zwei Terminen fortgesetzt, hinzu kommen die Kreativwerkstatt des „wortlabors“ und die wöchentlichen bis monatlichen Angebote der Pilgerkirche St. Jakobi. „Gerade im Bereich der regelmäßigen Veranstaltungen sind sicherlich noch viele Möglichkeiten offen“, denkt Dirk Brall in die Zukunft. Insgesamt solle weiter das Kriterium Qualität statt Masse bei der Auswahl entscheidend sein. Dies spreche sich auch bei den Verlagen bereits herum.

Mit Jan Weiler kommtt am 29. April ein Bestseller-Autor („Maria, ihm schmeckt’s nicht“, „Pubertiere“). Weilers Terminplan sei sehr voll, berichtet Brall. Umso glücklicher sei er, den Schriftsteller zum ersten Mal seit zehn Jahren nach Hildesheim holen zu können.

„Noch schwerer zu kriegen, erst recht, seit sie im Literarischen Quartett ist“, sei Christine Westermann, so Brall. „Es ist für uns ein großes Geschenk, dass sie kommt.“ Am 11. Mai stellt die Literaturexpertin ihre persönlichen Favoriten des Bücherfrühlings vor.

Ralf Neite, Kultur und Kommunikation

Wieder da

Am 3. März eröffnet das Literaturhaus St. Jacobi die zweite Spielzeithälfte. Mit dem 10-jährigen Jubiläum der Stiftung Familien in Not feiern ab 19.30 Uhr. Mit interessanten Gästen, Sekt, Getränken, Snacks und der Musik von Fräulein Zugvogel. 

Mehr über das Programm der neuen Spielzeit

„Herztöne“ – mal anders

Martin Schleske weiß als Geigenbauer, wie bedeutsam es ist, das richtige Holz auszuwählen. Welche Struktur und Härte es haben muss, damit die Geige, die er einmal damit bauen wird, am Ende klingt.

Es braucht Erfahrung, um sogenannte Sängerstämme zu finden, und außerdem viel Gefühl, eine ruhige Hand und die richtigen Werkzeuge.

Weltbekannte Geiger schwören auf seine Instrumente. In Fachkreisen wird Martin Schleske als „Stradivari des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Nur 12 bis 15 Instrumente verlassen jährlich sein Atelier.

Am 16. April stellt Schleske „Herztöne“ vor. „Wie entlockt man dem Holz seinen Klang?“, will Schleske wissen und macht daraus eine Metapher des Lebens. In Fachkreisen wird er als „Stradivari des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.

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