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Bild: Alexander Schreeb

Schatzsuche im Kloster

Tagesthema 28. Oktober 2014

Schaufel für Schaufel nähert sich der Denkmalschutz des Landes Niedersachsen bei seinen Ausgrabungen den Geheimnissen des Klosters Loccum.

Ein Loch im Garten

Priors Garten hat ein Loch. Alles begann an einem sonnigen Tag im Mai. Das RM 15, das aussieht wie eine Hightech-Wünschelrute, kreiste über den Rasen des Klosters Loccum. Schritt für Schritt lieferte das Widerstandsmessgerät hochauflösende geophysikalische Werte des Untergrundes.

Schon vorher gab es immer wieder Anzeichen, dass unter den Rasenflächen der Klosteranlage verborgene Geheimnisse lauern: Die Maulwürfe waren die ersten, die den Geheimnissen auf den Grund gingen. In ihren Maulwurfshügeln fanden sich die Funde aus kleinen Bröckchen von Ziegeln und Mauerresten.

Seitdem wird rund ums Kloster gegraben. Maulwürfe und Grabungsteams buddeln um die Wette. Gleich mehrere Probegrabungen auf dem Gelände erhärten den Verdacht immer mehr.

"Da ist was Älteres!"

„Da ist was Älteres“, so Richard Landwehr und zieht an seinem Zigarillo. Landwehr ist erfahren, seit 24 Jahren ist er im Geschäft. Mit braunem Lederhut und Tropenweste steht der Grabungstechniker am Rand der größten Ausgrabung in Priors Garten. Wie Indiana Jones sucht auch Landwehr einen Schatz. „An dieser Stelle“, sagt Landwehr, „haben wir eimerweise Scherben ausgegraben“ und zeigt auf ein ca. 2 Meter tiefes Loch im Boden.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Besonders in den vergangenen Tagen gab die Erde Unglaubliches frei. Nicht nur, dass hunderte Tabakpfeifen aus dem 17. Jahrhundert hervortraten, sondern auch Gebäudereste aus der Romanischen Zeit erblickten das Tageslicht. „Das ist bedeutend für die Geschichte des Ortes“, erläutert Landwehr. Diese romanische Mauerschicht aus der Gründungsphase des Klosters bildete das Fundament für zwei Gebäude, die bis 1815 standen.

Auf der Suche nach weiteren Schätzen

Welche weiteren Schätze aus der Gründungszeit des Klosters mag die dunkle Tiefe des Erdreiches noch umklammern? Ein weiteres Fundament Richtung Osten und Silbermünzen aus dem 13. Jahrhundert werfen weitere Fragen auf. „Es ist geheimnisvoll“, sagt der Mann mit Hut und freut sich auf die kommenden Grabungen im nächsten Frühjahr mit einem Schmunzeln: „wenn der Friedhofsbagger uns dann noch zur Verfügung steht, sind alle Geheimnisse bald gelüftet.“

Hüter der Geheimnisse – vier Fragen an Klosterbibliothekar Jörg Fiedler

Jörg Fiedler ist Magister der Bibliotheks- und Informationswissenschaften und Diplom Bibliothekar. Seit 2000 arbeitet er inn der Klosterbibliothek Loccum.

Die Klosterbibliothek wird demnächst umgebaut – was wird sich verändern?
Zunächst einmal wird alles zentralisierter: Wir haben über 81.500 Bücher in diversen Räumen im Kloster verteilt. Mit dem neuen Bibliotheksgebäude fassen wir diese zusammen. So wird der Zugang zu den Bücher und deren Nutzung unkomplizierter.

Es gibt aber auch Bücher, die nicht zugänglich sind – echte Geheimnisse, die Sie hier hüten?
Etwa 2.000 Bücher bewahren wir besonders gesichert auf. Neben den historisch wertvollen Werken haben zum Beispiel Kartenmaterial der Umgebung des Klosters, das bis 1700 zurück reicht. Und ein Wörterbuch, das wir aufgrund der Schriftart auf das 11. Jahrhundert schätzen. Genaues bedarf der Überprüfung – wenn man so will, bleibt es also vorerst ein Geheimnis.

Gibt es besonders brisante Fundstücke in der Loccumer Bibliothek?
Dazu möchte ich mich ungern äußern.

Was ist eigentlich ihr Lieblingsbuch?
Da gibt es zwei Ebenen. Einmal: ganz klar die Bibel. Das ist ein sehr wichtiges Werk. Dann gibt es noch ein Buch, das heißt „Seele oder Hirn?“ Das behandelt eine sehr interessante Thematik. Das zusammen finde ich sehr ansprechend.

Dieses Tagesthema entstand im Rahmen einer einwöchigen Medienausbildung für Vikarinnen und Vikare im Predigerseminar Loccum.
Autorinnen und Autoren: Alexander Schreeb, Maria Paschen, Keno Eisbein, Irmela Büttner, Christian Relius (Vikariatskurs 14)
 

Mehr über das Predigerseminar Loccum

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