Ehrenamt

Bild: Jens Schulze

31. Mai 2014

Tagesthema

Lieber verlieren, als für den Sieg beten

Längst ist Fußball in Deutschland, nicht mehr nur Freizeitspaß. Heute gibt es drei Profi-Ligen. Die Bundesliga mit 18 Plätzen, die 2. Bundesliga mit 18 Plätzen und die 3. Liga mit 20 Plätzen. In den 3 Profiligen besetzen 54 Vereine die 56 Plätze, da Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart mit je einer Mannschaft sowohl in der 1. Bundesliga als auch in der 3. Liga vertreten sind. Wirtschaftlich sind sie von den – nach Ligazugehörigkeit gestaffelten – Einnahmen aus Fernsehen abhängig. In der Saison 2014/2015 werden 615 Millionen Euro aus TV-Einnahmen auf die Vereine verteilt.

Gott darf nicht zur Wunschmaschine verkommen

Pro: Scheitern muss erlaubt sein

Martin Kind und Dr. Volker Jung. Bild: Jens Schulze

Wenn am Wochenende die Teams der Bundesliga gegeneinander antreten, fiebert stets ein Millionenpublikum in den Stadien und vor den Bildschirmen mit. Um Sieg oder Niederlage des eigenen Vereins zu erleben, um zu jubeln oder um zu leiden. Die Spieler stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses: bewunderte Idole oder geschmähte Verlierer – je nach Spielverlauf.

Profifußballer, das ist für viele ein Traumjob. Die Öffentlichkeit, in der die Akteure stehen, erzeugt aber auch einen enormen Druck. Die Spieler sollen den Erwartungen des Trainers, des Clubs, der Fans und Journalisten gerecht werden. Es erfordert nicht nur sportliches Können, sondern auch Charakterstärke, um diese Spannung Woche für Woche auszuhalten.

Längst geht es dabei nicht mehr nur um den Sport. Die immer stärkere Ökonomisierung im Profifußball hat den Druck, der auf den Spielern lastet, noch einmal verstärkt. Viele verdienen heute mit am Geschäft rund um den Ball. Und eine Profikarriere ist kurz. Die Aktiven müssen innerhalb von zehn Jahren leisten, wofür andere 30 bis 40 Jahre Zeit haben.

Es gibt tolle Spielerpersönlichkeiten, die bereits in jungen Jahren große Reife zeigen und Rückschläge und Erfolge problemlos verkraften. Es gibt aber auch andere, die sich damit schwerer tun und Begleitung benötigen. Den Vereinen, die Talente aufbauen und zum Profisport hinführen, kommt hier eine besondere Verantwortung zu. Sie müssen den jungen Spielern vermitteln, dass auch Scheitern dazu gehören kann und dass eine Karriere unter Umständen nicht so verläuft, wie man es gerne hätte.

Manchen Sportlern gibt in solchen Phasen der Glaube Halt. Doch im Wettkampf für den Sieg des eigenen Teams zu beten, ist aus christlicher Sicht problematisch. Ein Gebet sollte immer das Wohl des anderen mit im Blick haben. Wer Gottes Segen für die eigene Punktebilanz erfleht, macht Gott zu einer Wunschmaschine. Vor allem dann, wenn es wie beim Fußball um viel Geld geht.

Volker Jung ist Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Contra: Erfolgsdruck gehört zum Geschäft

Diskussion um die Rolle des Glaubens im Fußball-Sport. Bild: Jens Schulze

Leistungsdruck gehört zum Profisport, so wie zu vielen anderen Berufen auch. Beim Fußball findet das Ganze auf einer großen Bühne statt: Spieler und Trainer stehen unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit.

Ihre Leistung wird kritisiert und benotet – durch die Fans, die Medien, die Sponsoren und nicht zuletzt durch den eigenen Verein. Dass sich da der Druck noch einmal erhöht, ist klar.

Solange dabei ein gewisser Rahmen gewahrt bleibt und die Akteure nicht ihr persönliches Schicksal vom öffentlichen Urteil abhängig machen, ist dies auch völlig in Ordnung. Druck ist an sich nichts Negatives. Er ist häufig sogar unverzichtbar und bildet erst den Antrieb, um die Leistung zu erbringen, die im Spitzensport verlangt wird.

Diese Leistungen werden – gerade im Profifußball – großzügig honoriert. Wer heute bei einem Topverein spielt, verdient ein Vielfaches von dem, was ein Durchschnittverdiener nach Hause bringt. Dahinter steht ein klarer Deal: Der Erfolgsdruck ist Teil des Geschäfts, ebenso wie die Bereitschaft, sich der öffentlichen Kritik zu stellen. Das weiß jeder, der einen Profivertrag bei einem Verein unterschreibt.

Die Kritik an diesem System kommt auch gar nicht von den Aktiven selbst, sondern wird eher von außen herangetragen. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die diesem Druck nicht gewachsen sind. Der Betreffende kann sich in dem Fall frei entscheiden und aussteigen, wenn er feststellt, dass dieser Job nichts für ihn ist. Einige Spieler haben das getan. Eine solche Entscheidung ist in jedem Falle zu respektieren.

Die anderen finden Wege, mit dem Druck fertig zu werden. Einige schöpfen dabei Kraft aus ihrem Glauben und zeigen das auch öffentlich auf dem Platz. Daran sehe ich absolut nichts Negatives. Im Gegenteil. Wenn Spieler sich vor dem Elfmeter bekreuzigen oder für den Sieg der einen Mannschaft beten, ist das völlig legitim und auf keinen Fall unsportlich. Schließlich kann der Gegner ja das Gleiche tun.

Walter M. Straten ist Sportchef der Bild-Zeitung und der Bild am Sonntag

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„Zwischen Fußballhimmel und Abseitsfalle – kann der Glaube Berge versetzen?“

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Benefizlauf für Straßenkinder

Gabriel Martins dos Santos (15 Jahre) mit einem Fussball vor der Kulisse des Zuckerhutes und der Bucht von Botafogo. Bild: Florian Kopp/Brot für die Welt

Der Benefizläufer John McGurk ist zur letzten Etappe seiner rund einjährigen Spendenaktion zugunsten von Straßenkindern in Brasilien aufgebrochen. Anlass ist die Fußball-Weltmeisterschaft vom 12. Juni bis 13. Juli. Er startete gemeinsam mit einigen Mitstreitern seines Vereins „Sportler 4 a Children´s World“ einen Spendenlauf vom Flughafen Münster-Osnabrück in Richtung Frankfurt, teilte das Kinderhilfswerk terres des hommes mit, das Mitinitiator der Aktion ist.

Von dort werde McGurk nach Sao Paulo fliegen, wo er während mehrerer Langstreckenläufe gesammelten Gelder an die Stiftung des ehemaligen brasilianischen Fußballstars Cafu überreichen werde. Bislang hätten Sponsoren dafür 76.000 Euro gegeben. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem Lauf dazu beitragen, die Situation vieler Mädchen und Jungen in den Armenvierteln von São Paulo zu verbessern“, sagte der Läufer beim Start.

Die Aktion ist den Angaben zufolge Teil des Fußball-WM-Programms „A chance to play“ von terre des hommes. Es sei vor der Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzernbetriebsrat ins Leben gerufen worden. Ziel sei es, die öffentliche Aufmerksamkeit des Fußball-Ereignisses zu nutzen, um benachteiligten Kindern und Jugendlichen Sport, Spiel und Bildung zu ermöglichen. Auch vor der Endrunde in Südafrika habe McGurk mitgewirkt und 84.000 Euro „erlaufen.“

Die Stiftung „Cafu“ betreut Straßenkinder in der Millionenmetropole. Die Kinder erhielten zum Beispiel die Chance, in ihrer Freizeit Fußball, Basketball und Volleyball zu spielen. Dabei lernten sie mit Hilfe von Sozialarbeitern auch Teamgeist und Methoden gewaltloser Konfliktschlichtung. Cafu selbst ist in einem der Armenviertel aufgewachsen.

epd

Die Aktion „A chance to play“

Fair Play für die Menschen in Brasilien

Vor dem Confed-Cup in Brasilien siedelte die Stadtverwaltung von Salvador da Bahia Dutzende Obdachlose gegen ihren Willen um. Bild: Brot für die Welt/ Movimento de Populacao de Rua

„Fair Play for Fair Life“ – das ist eine Aktion von Brot für die Welt und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Übersetzt heißt das Motto: „Gerechtes Spiel für ein gerechtes Leben“. Nicht nur die eigenen Interessen durchsetzen, sondern auf andere achten, sie stärken und bewusst einbeziehen – das ist auch eine Frucht des christlichen Glaubens. Die Aktion bietet zahlreiche Mitmach-Materialien für Gemeinden und Informationen zur Entwicklungszusammenarbeit in Brasilien und den sozialen Problemen dort.

Brot für die Welt und EKD zur WM