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Bild: epd-Bild/ Michaela Begsteiger

Elternzeit ist Luxuszeit

Tagesthema 09. Mai 2014

Lukas Schienke hat sich zwei Monate Zeit für die Familie genommen

Es ist Dienstag, 5.35 Uhr früh. Ich drücke auf die Klingel der milchglasverzierten Stationstür. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnet sie sich wie von Geisterhand. Als ich eine Minute später den Kreißsaal betrete, überrascht mich meine Tochter zum ersten Mal in ihrem Leben: Mia ist schon da.

Und ich bin sieben Minuten zu spät. „Das dauert noch, fahren Sie nach Hause!“, hatte die Hebamme gesagt. Egal. Ab jetzt bin ich in Elternzeit. Juchhuuu!

Knapp ein Jahr ist das nun her. Die Entscheidung, auch als Vater eine berufliche Pause einzulegen, brauchte keine lange Zeit des Überlegens. Und auch die Frage „Wie lange?“ war schnell geklärt. Andrea, meine Frau, hatte uns während meines Studiums finanziell über Wasser gehalten. Natürlich darf sie sich jetzt länger zu Hause entspannen. Mia und das bisschen Haushalt machen sich bestimmt von allein.

Eine Fehleinschätzung, wie sich in meinem ersten Elternzeitmonat herausstellen sollte. Putzen, Kochen, mit den Hunden Gassi gehen, Windeln wechseln – am Ende der ersten zwei Wochen fragte ich mich, wie ich neben diesem Fulltime-Job jemals wieder arbeiten gehen soll. Doch es wurde besser. Ja, es wurde sogar die beste Zeit überhaupt. Und das, obwohl ich meinen Beruf liebe und sich meine Begabung bei haushaltsinternen Tätigkeiten eher in Grenzen hält. Jede Sekunde mit Mia ist einfach ein – manchmal arbeitsintensives und meist sehr lehrreiches – Geschenk.

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Lukas Schienke hat sich den ersten Teil der Elternzeit genommen, als Tochter Mia frisch geboren war. Bild: privat

Die Aufteilung in zweimal einen Monat Elternzeit hat unterschiedliche Gründe. Beruflich muss schon einiges organisiert werden, damit man zusätzlich zum Urlaub überhaupt vier weitere Wochen fehlen kann. Da ist die Unterstützung der Kollegen, des Chefs, der Geschäftsführung und der Personalabteilung einfach sensationell.

Privat ist die Aufteilung in zweimal einen Monat meines Erachtens pfiffig. Die ersten vier Wochen nach der Geburt sind von Haushalt, Organisation und Behördengängen bestimmt. Da hat Mann schon alle Hände voll zu tun, obwohl dass Baby fast nur schläft.

Deshalb fängt mein zweiter Monat an Mias erstem Geburtstag an. Und wird dann eine richtige Papazeit. Also neben Putzen, Kochen und Gassi gehen auch Krabbeln, Singen und Quatsch machen. Das kann ich sowieso besser.

Apropos Krabbeln: Es wird nicht mehr lange dauern, bis Mia ihre Eltern ein weiteres Mal überrascht. Demnächst wird sie grinsend um die Ecke wanken und ihre ersten eigenen Schritte gehen. Ich werde dann da sein. Pünktlich. Meine Arme ausbreiten und mich mit ihr zusammen freuen. Was für ein Luxus.

Lukas Schienke (32) ist TV-/Multimediaredakteur beim Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen in Hannover.

„Nimm die Welt nicht so ernst und du erziehst besser“

Das Familienpapier der EKD enthält viele treffende Einschätzungen und Empfehlungen, wie Familien in ihrer heutigen Vielfalt rechtlich und steuerlich gestärkt werden können. An vielen Stellen brechen die Autoren mutig Tabus und widerlegen alte Vorurteile. Was dabei aber leicht ins Hintertreffen gerät, ist die Frage: Wie soll ich mein Kind denn jetzt erziehen?

Angesichts des Pluralismus an Erziehungsmodellen und -ideologien in den letzten Jahren würde man von einer „Orientierungshilfe“ erwarten, dass mehr konkrete Ratschläge für den praktischen Erziehungsalltag gegeben werden. Die Bibel liefert dafür eine solide Grundlage. Und die Geschichten von Abraham, Salomo, David und Jesus sind wohl unterschiedlich, haben aber einen gemeinsamen Grundton. Sie sagen uns: nimm die Welt nicht so ernst, erwarte nicht zu viel, vielleicht auch: liebe den Irrsinn. Auch oder gerade in Bezug auf Familie und Erziehung.

Wir modernen Lebens-Genießer können uns heute nur schwer vorstellen, dass die biblischen Autoren Familie nicht als positives Lebensziel formulieren, das man absichtlich anstreben oder planen soll. Familie ist in der Bibel immer einfach da, und die Menschen in der Bibel müssen zusehen, wie sie ihre Familie managen, die oft so überraschend kommt, wie für viele heutige Menschen.

Den ganzen Bericht des freien Journalisten Holger Wetjen lesen beim aktuellen Thema der Woche der Evangelischen Zeitung

Begleiten, fördern, schützen

Ein Schmustier tröstet oft
Bild: Thomas K. / photocase.com

Kinder brauchen Hilfe. Die alltäglichen Herausforderungen für Kinder und Eltern sind groß und bringen Probleme mit sich. Landeskirchliche Einrichtungen und Beratungen stehen ihnen zur Seite. Ziel ist eine gesunde Entwicklung der Kinder.

Immer kompliziertere Lebensbedingungen stellen die Eltern vor Schwierigkeiten: Wie können sie ihre Kinder begleiten? Wie fördern und schützen? Wie ihre Ängste erkennen und wie darauf eingehen? Wie sich ihren Fragen stellen?

Das Angebot der hannoverschen Landeskirche zur Unterstützung von Familien mit Kindern

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Auch Väter wollen sich um ihre Kinder kümmern

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Karsten Knigge ist Vater von einem Sohn (8), mit dem er gern kocht, Fischertechnik baut und im Garten rumpusselt. Bild: privat

Evangelische Zeitung: Familie und Beruf - das ist nicht nur für Frauen ein täglicher Spagat. Wie meistern Männer die Herausforderung?

Karsten Knigge: Zunehmend genauso gut oder schlecht wie die Frauen. Wobei die Probleme für Männer andere sind. Beispiel Job: Gelten Frauen, die früh wieder anfangen zu arbeiten, oft als Rabenmutter, haben Männer immer noch mit dem Ruf als Weichei zu kämpfen, wenn sie beispielsweise Arbeitszeit reduzieren, um für die Kinder da zu sein. Da ändern sich die gesellschaftlichen Rollenerwartungen erst langsam. Mut macht, wie normal es für viele junge Väter inzwischen geworden ist, sich sowohl im Beruf als auch in der Erziehung zu engagieren. Die sehen das ganz pragmatisch und fühlen sich auch nicht mehr als Vorreiter wie die Väter, die Ende der 90er Jahre mit Engagement in die Erziehung ihrer Kinder eingestiegen sind.

EZ: Was raten Sie Männern, die mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen möchten?

Knigge: Mach dir frühzeitig Gedanken, ob du bei deiner Wochenarbeitszeit überhaupt Zeit für die Familie aufbringen kannst. Rede darüber! Erst mit Freunden, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind, dann mit der Partnerin und zuletzt mit Kollegen und dem Arbeitgeber. Wenn du dich fragst, ob du noch genug verdienst, wenn du in Teilzeit gehst oder mehr als zwei Monate Elternzeit nimmst, wende dich an eine Beratungsstelle vor Ort. Meist wissen AWO oder Caritas, wer sich in deiner Stadt gut auskennt. Am besten, du hast deinen Plan schon vor der Geburt des Kindes fertig.

EZ: Was muss sich ändern, damit Väter mehr Zeit für die Familie haben?

Knigge: Oft ist es noch die Arbeitswelt: Obwohl es immer mehr Firmen gibt, die erkennen, dass familienfreundliche und flexible Arbeitszeiten sich auszahlen, weil sie die Motivation der Beschäftigten steigern und diese langfristig ans Unternehmen binden. Wer in seinem Betrieb auf Granit beißt, sollte vor einem Jobwechsel nicht zurückschrecken. Die eigenen Kinder beim Aufwachsen zu begleiten, ist eine wundervolle Erfahrung, die sich nicht nachholen lässt! Ebenso wichtig ist aber auch die Partnerschaft: Die Mutter muss bereit sein, die Erziehung auf Augenhöhe mit dem Vater zu gestalten. Ihn auch mal machen lassen und vertrauen, dass es schon gut läuft. Das fällt erstaunlich vielen Frauen schwer. Wer als Vater das Gefühl hat, nicht gleichberechtigt mit erziehen zu können, für den ist es oft schwierig, mehr ins Familienleben einzusteigen.

EZ: Welche Erfahrungen machen Sie auf Ihrer Internetseite mit den Wünschen der Väter?

Knigge: Die meisten Väter fragen uns nach den sogenannten Vätermonaten. Dahinter steckt ja immer der Wunsch, von Anfang an intensiv am Aufwachsen der Kinder teilzuhaben. Über die letzten Jahre betrachtet ist mein Eindruck, dass sich immer mehr Väter trauen, mit ihren Fragen, Wünschen und Problemen ganz offen umzugehen. Ich glaube, Engagement in der Familie wird für Väter immer normaler.

Das Interview führte Annika Lukas, Evangelische Zeitung

Aktuell auf der Internetseite Väterzeit

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