Bild: epd-Bild

Das letzte Abendmahl

Tagesthema 17. April 2014

„Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird
und dann Gut über Böse siegt,
dass irgendjemand uns auf unseren Wegen lenkt
und unser Schicksal in die Hände nimmt.
Ja, ich glaube an die Ewigkeit
und dass jeder jedem mal vergibt.
Alle werden wieder voreinander gleich,
jeder kriegt, was er verdient.“

(Die Toten Hosen, Wünsch dir was)

Gründonnerstag. Am Abend lädt Jesus seine Jünger zum Essen ein. Er lädt ein zu seinem Todestag, an dem nicht nur seine Zeit eine Wende nimmt. In der jüdischen Zeitrechnung beginnt der neue Tag nicht um Mitternacht, sondern mit dem Untergang der Sonne. Mit dem gemeinsamen Essen am Gründonnerstag beginnt der Todestag Jesu. Eine neue Zeit bricht an, schon in dieser Nacht. Eine Zeitenwende, in der das Gute über das Böse siegen wird.

Abendmahl. Bild: epd-Bild

Eine Zeit bricht in dieser Nacht an, die einen neuen Charakter in sich trägt, geprägt von unverbrüchlicher Liebe des Gottessohnes zu seinen Freunden. „Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.“ (Joh. 13, 1). Trotz Judas. Trotz Petrus. Trotz allem und erst recht. Wegen Judas. Und wegen Petrus.

Eine Zeit bricht in dieser Nacht an, die einen neuen Charakter in sich trägt, geprägt vom Vorbild Jesu, der auf die Knie ging und Füße wusch. Sklaven wuschen in orientalischen Häusern den Gästen die Füße. Doch seit Gründonnerstag gilt die Umkehrung der Verhältnisse. Alle werden voreinander gleich. Jeder bekommt, was er verdient – anders, als wir Menschen es rechnen würden. Jesus hat es demonstriert. Mit einer Geste, die in eine neue Perspektive führt und die noch heute vorbildlich ist, nicht nur für Päpste.

Eine Zeit bricht in dieser Nacht an, die einen neuen Charakter in sich trägt. Sie beginnt ganz unten. Im Staub. Auf dem Boden. Ja, an den Füßen. Auf Reinigung gründet sich die neue Zeit. Auf die Geste, mit der im Alten und im Neuen Testament nicht nur die Füße, sondern der ganze Mensch mit Körper, Geist und Seele gemeint war. Wir sind Gewaschene, Getaufte. Berufen, gesegnet und gesendet, um in dieses Leben zu gehen. Mit Verstand und festem Willen. Auf Füßen, die die Geste des Friedens erfahren haben. Des Friedens, der davon ausgeht, dass die Welt sich ändern wird und Gut über Böse siegt. Des Friedens, der von Ostern in unser Leben strahlt.

Pastorin Silvia Mustert, geschrieben für das Kalenderblatt auf landeskirche-hannovers.de

Zeitgenossen zeigen das „Letzte Abendmahl“

„Das letzte Abendmahl“, dargestellt von dem Künstler Hermann Buß. Bild: © archiv-jakob-kemenate

Vier zeitgenössische Künstler zeigen von Gründonnerstag (17. April) an in Braunschweig ungewöhnliche Bilder vom „letzten Abendmahl“. Die Werke aus der Sammlung der Jakob Kemenate bezögen sich auf das weltbekannte „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci, teilte ein Sprecher mit. Dieser habe mit seinem Gemälde „fast ein religiöses Logo geschaffen“. Die Sammlung bestehend aus vier Bildern soll in den kommenden Jahren weiter wachsen.

So zeige der ehemalige Kunstprofessor Ben Willikens mit seinem Bild „Abendmahl IV“ (2008) einen „fast klinisch reinen Operationssaal“: einen leeren Raum mit einem langen, leeren Tisch. Der Pop-Art Künstler Otmar Alt inszeniere mit seinem Gemälde das Abendmahl mit schrillen Farben, Hippies, Clownfiguren und Fantasie-Tieren. Der Ostfriese Hermann Buß drücke in seinem Bild „Das letzte Abendmahl“ (2013) tiefe Einsamkeit aus. Auch die Künstlerin Elisabeth Engelbrecht zeige auf ihrem Bild einen menschenleeren Picknicktisch im Grünen.

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Evangelium am Gründonnerstag

Lutherrose

Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin's auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

Johannes 13,1-15

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Violett - Mischfarbe von Himmel (blau) und Erde (rot) bestimmt die Bußzeiten als Zeiten aktiven Wartens auf eine neue Zeit und eine bessere Welt (Adventszeit, Passionszeit, Buß- und Bettag) Bild: Sammlung Erich Grün (c) Ev.-luth. Landeskirche Hannovers // Text: Grethlein, C./Ruddat, G.: Liturgisches Kompendium  

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