Ehrenamt

Bild: epd-Bild/ Martin Egbert

16. April 2014

Tagesthema

„Sterbende sehen, wo sie hingehen“

Über die Entspanntheit in den letzten Lebenszügen

Aufbahrungsraum in einem Kinder- und Jugendhospiz. Bild: epd-Bild/ Friedrich Stark

Nach Überzeugung des Mediziners und Sterbebegleiters Wolfgang Schwarz gibt es so etwas wie ein Leben nach dem Tod. „Sterbende sehen, wo sie hingehen“, sagte der Leiter des Hospizes für sterbenskranke Menschen St. Marianus in Bardowick bei Lüneburg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Anders lässt sich die Entspanntheit in den letzten Lebenszügen nicht erklären“, erläuterte der Palliativmediziner, der in den vergangenen 20 Jahren Hunderte Menschen auf ihrem letzten Weg betreut hat: „Es muss so sein, dass wir an der Grenze sehen, was dann kommt - und das kann nichts Schlimmes sein.“

Das Verhalten der Sterbenden deute darauf hin, dass Menschen am Lebensende auch Erleichterung spürten. „Ich habe noch nie gesehen, dass ein Sterbender die Hand in die Decke krallt, weil er hierbleiben will.“ Die Menschen im Hospiz seien in einer Ausnahmesituation, sagte Schwarz. Zumeist müssten ihre Schmerzen gelindert und Ängste genommen werden.

„Hier erleben wir das Sterben in Problemfällen wie bei dem 30-Jährigen, der Kinder zurücklässt und sich um sein Leben betrogen fühlt.“ So ein Mensch sei traurig, wütend und alles andere als friedlich. Zum Schluss gebe es jedoch einen Wandel. „Dann geht der Blick in eine andere Richtung.“

Im Mittelpunkt der stationären Hospizversorgung stehen die schwerstkranken Patienten mit ihren Wünschen und Bedürfnissen. Bild: epd-Bild/ Werner Krüper

Er erinnere sich an eine Krebspatientin, die dem Tode nahe vor sich hindämmerte und „Quälerei, Quälerei“ murmelte.

„Meine Kollegin sprach ihr zu: Sie haben es geschafft“, berichtete der promovierte Mediziner. „Da strahlte die Frau und sagte, dann ist jetzt Zeit für einen Sekt und eine Zigarette.“ Gemeinsam hätten sie eine Flasche Sekt getrunken, und wenig später sei die Frau gestorben.

Zur Betreuung im Hospiz gehöre neben der medizinischen Versorgung auch die Seelsorge, sagte der katholische Christ. Patienten fragten nach dem Sinn dessen, was sie erlebten. „Wir reden über das Unbegreifliche und darüber, wie jeder es mit seinen eigenen Erfahrungen zusammenbringen kann.“

Für den einen könne der christliche Glaube an die Auferstehung von den Toten hilfreich sein, für andere der Gedanke, in eine neue Energie oder ins Nirwana überzugehen. „Trost gibt auch, dass andere diesen Weg schon gemeistert haben.“

epd-Gespräch: Karen Miether

St. Marianus - Zentrum für Schwerkranke

Christliche Trauerwege

Ein Kreuz, daneben ein sonnenbeschienener Zweig.
Sich im Leben wieder neu zurecht finden und Gott bei diesem neuen Weg an der Seite wissen. Das tröstet. Bild: Enderlein

Warum und worum genau jemand trauert, kann sehr verschieden sein. Wie getrauert wird Trauer verläuft nicht immer gleich oder ähnlich, im Gegenteil: Sie ist so individuell und verschieden wie die Menschen, die trauern. Auf die äußeren Veränderungen im Trauerfall reagieren Betroffene mit den unterschiedlichsten Veränderungen auf allen Ebenen ihres Person-Seins: körperlich, seelisch und in ihrem Verhalten.

Immer und immer wieder werden in der Zeit des Trauerns Bilder des verstorbenen Menschen vor Ihrem inneren Auge lebendig werden, Szenen Ihres gemeinsamen Lebens. Das ist gut so. Erinnern Sie sich. Was hat mir der verstorbene Mensch bedeutet? Was habe ich an ihm oder mit ihr verloren? Sich diese Fragen zu beantworten, sich den damit verbundenen Gefühlen zu stellen, gehört zu den Kernaufgaben der Trauerarbeit.

Über die Trauerarbeit in der hannoverschen Landeskirche

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Bis zum Schluss

Gedenkbuch und Kerze in einem Hospiz. Bild: epd-Bild/ Martin Egbert

Karin gibt ihrem sterbenskranken Mann ein Versprechen: Sie wird bis zum Schluss für ihn sorgen und bei ihm bleiben. Doch als die Pflege immer aufwändiger wird, merkt Karin, dass sie Hilfe braucht. Sie überlegt, ob vielleicht eine Einrichtung für Sterbebegleitung, ihr und ihrem Ehemann Unterstützung für diese schwere Zeit bieten könnte. Doch gleichzeitig hat sie ein ungutes Gefühl, denn ihr Mann wollte die letzten Tage seines Lebens in seinem eigenen Haus verbringen...

Der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) berichtet im Magazin "ffn - Die Kirche - Hilfe interaktiv“, wie sich das Ehepaar schließlich entschieden hat und was Karin im Nachhinein über die Entscheidung denkt.

Die Produktbox steht auf Grund von Wartungsarbeiten auf www.einfach-evangelisch.de nicht zur Verfügung.

Was wir wissen, Was wir tun können, Wie wir uns darauf einstellen