2014_03_19_schmal

Bild: epd-Bild/ Bernhard Classen

Hohes Aggressionspotenzial

Tagesthema 19. März 2014

Lebensberater fordern mehr Prävention gegen häusliche Gewalt

gewalt_1
Sie lieben ihre Frauen - eigentlich. Aber wenn es Streit gibt zu Hause, etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft, haben sich manche Ehemänner nicht im Griff. Bild: epd-Bild/ Bernhard Classen

Lebensberater der hannoverschen Landeskirche haben dazu aufgerufen, das Thema häusliche Gewalt ernst zu nehmen. In den rund 30 Beratungsstellen zwischen Cuxhaven und Göttingen träfen die Mitarbeiter vermehrt auf stark zerstrittene Paare, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lebensberatung der evangelischen Landeskirche, Karin Jakubowski, bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft und der Hauptstelle für Lebensberatung in Hannover: „Da haben wir ein hohes Aggressionspotenzial in den Beratungen sitzen.“

Die Beratungsstellen seien ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, ergänzte der Leiter des Evangelischen Beratungszentrums im Hannover, Axel Gerland. Nach wie vor sei die Scheidungsrate hoch und Trennungen seien mit tiefen Kränkungen verbunden. Zu körperlicher oder psychischer Gewalt komme es oft dann, wenn ein Partner emotional oder finanziell vom anderen abhängig sei. „Dann kann man nicht einfach gehen.“ Die Beratungsstellen könnten dabei helfen, die Position des jeweils anderen überhaupt erst wahrzunehmen.

Auge-zerschlagene-Glasscheibe
Jemand blickt durch eine zerschlagene Glasscheibe. Bild: epd-Bild

Um Gewalt vorzubeugen, müsse sich aber auch gesellschaftlich etwas ändern, forderten die Lebensberater. Gewalt sei ein Ausdruck von Hilflosigkeit oder mangelnder Anerkennung, sagte Gerland: „Amokläufer waren oft Leute, die sich ausgegrenzt und isoliert fühlten.“

Mit dem Gewaltschutzgesetz von 2002 hat sich Jakubowski zufolge in der öffentlichen Wahrnehmung etwas bewegt. Allein im Landkreis Harburg, in dem ihre Beratungsstelle liegt, gebe es pro Jahr etwa 200 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt. Dabei informiere die Polizei auch die Beratungsstelle, die dann ihre Hilfe anbiete. Das Thema werde öffentlicher. „Wir haben dadurch mehr Anmeldungen von Frauen und von Paaren.“

Sabine Hufendiek vom Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin unterstrich, Hilfen sollten bereits in den Kinderkrippen beginnen. Diese seien dafür aber personell häufig zu schlecht ausgestattet. Wenn ein Kleinkind ein anderes schlage, sollten Eltern zwar den Täter in die Schranken weisen. Anschließend sollten sie aber nicht nur das Opfer trösten, sondern auch den Täter beruhigend in den Arm nehmen. „Kinder brauchen eine gesicherte Bindung.“ Vor allem für Alleinerziehende sei das eine Herausforderung. Mit dieser Aufgabe dürfe die Gesellschaft Familien nicht alleinlassen.

Evangelischer Pressedienst (epd)

Kirche warnt mit Ausstellung vor häuslicher Gewalt

988x245

Mit der landesweiten Ausstellung „Rosenstraße 76“ hat die hannoversche Landeskirche im Jahr 2012 das Thema häusliche Gewalt stärker in den Blickpunkt gerückt.

Die Wanderausstellung zeigte eine nachgebaute Vierzimmer-Wohnung, in der häusliche Gewalt beispielhaft deutlich wird. Die Besucher waren aufgefordert, Türe und Schränke zu öffnen oder technische Geräte zu bedienen. Hinter einer scheinbar schönen Fassade entdeckten sie dort Hinweise auf Gewalt, etwa einen Anrufbeantworter mit Drohungen.

Zum Tagesthema über die „Rosenstraße 76“

Familienhilfe

Ein Ehepaar streitet sich im Beisein des Kindes
Streit gibt es in jedem Haus. Wenn es aber nur noch Streit gibt, ist Hilfe von außen nötig. Bild: Tatyana Gladskih / Fotolia.com   

Mancher Streit in Ehe und Familie flaut schnell wieder ab. Andere Auseinandersetzungen belasten Familien und Paare über eine längere Zeit und drohen Beziehungen zu sprengen. Die Beratung der Diakonie ist ebenso für die Probleme von Alleinerziehenden da, die in ihrer Funktion einer besonderen Belastung ausgesetzt sind.

Die Familienberatung der Diakonie

Immer informiert sein

kopf_tt_4

Um aktiv Kirche mitgestalten zu können, braucht es Information: Wenn Sie per E-Mail auf das Tagesthema der landeskirchlichen Internetseite und weitere aktuelle Angebote auf kirchlichen Internetseiten hingewiesen werden möchten, abonnieren Sie „Tagesthema plus“.

„Tagesthema plus“ abonnieren

Wir sind evangelisch