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Bild: epd-Bild/ Dieter Sell

Ostern leicht verständlich

Tagesthema 17. März 2014

Einfache Sätze, schlanke Inhalte: Die Bremer Lebenshilfe hat die biblische Ostergeschichte neu aufbereitet. Dabei gibt es Überraschungen, etwa in der Illustration. Denn Jesus fällt mit blondem Haar und wallendem blonden Bart ins Auge.

Bremer Experten der Lebenshilfe übersetzen Bibeltext für behinderte Menschen in Leichte Sprache

Kurze Sätze, keine theologischen Fachbegriffe, viele Verben: So liest sich die neue „Oster-Geschichte in Leichter Sprache“ der Bremer Lebenshilfe. Schwierige Wörter wie „Auferstehung“ sucht man in der biblischen Geschichte vergeblich. Und auch der Hahn, der als Wächter und Mahner eigentlich seinen festen Platz hat, kommt nicht vor. „Wir reduzieren und vereinfachen, damit die Geschichte für erwachsene Menschen mit geringer Sprach- und Lesekompetenz zugänglich ist“, sagt Projektleiterin Judith Nieder vom „Büro für Leichte Sprache“ der Bremer Lebenshilfe am Freitag bei der Präsentation.

Begleitet wird der Text von kontrastreichen Bildern, die das Geschehen farbig in Szene setzen. Seit zehn Jahren übersetzt das bundesweit erste „Büro für Leichte Sprache“ unter dem Dach des Behindertenverbandes der Lebenshilfe auf diese Weise Bürokratendeutsch und Fachchinesisch. Nach einem ersten Buch zur Weihnachtsgeschichte vor knapp vier Jahren hat es sich nun das Osterfest vorgenommen - erstmals mit theologischer Begleitung.

Bis zum Sommer 2016 sollen insgesamt vier biblische Geschichten erscheinen. Die „Aktion Mensch“ unterstützt das Projekt mit 250.000 Euro. Die Texte seien für viele Menschen mit einer geistigen Behinderung wichtig, sagt Sprachexpertin Nieder. „Viele von ihnen glauben an Gott und gehen in die Kirche.“ Als „Versuchsballon“ veröffentlichte die Lebenshilfe deshalb 2010 die Weihnachtsgeschichte in Leichter Sprache. Bis Ende des Jahres soll die alttestamentarische Josephs-Geschichte folgen.

In der Produktion immer mit dabei sind Testleser wie Oliver Neddermann, der selbst eine Behinderung hat. „Was wir nicht verstehen, wird markiert und geändert“, erklärt der 35-Jährige. Theologen ergänzen den Kreis. „Wir beraten bei der Frage, was rein muss und was wegfallen kann“, sagt der Münsteraner Pädagoge und Theologe Martin Merkens vom Arbeitskreis Theologie und Seelsorge der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Ein Hörbuch und ein Gebärdenvideo ergänzen das Buch insbesondere für seh- und hörbehinderte Menschen.

„Bisher fehlte für Menschen mit Lernbehinderungen oder anderen Beeinträchtigungen eine erwachsenen-taugliche Version der Ostergeschichte“, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführer Andreas Hoops. Die altertümliche biblische Sprache sei eben längst nicht für alle verständlich. „Unter Auferstehung konnte ich mir nichts vorstellen“, gibt Neddermann ein Beispiel. Judith Nieder hat das Osterwunder deshalb mit einfachen Worten umschrieben: „Jesus ist wieder bei den Menschen. Er lebt.“

Wörter, Satzbau und Textgestaltung müssen übersichtlich sein, wenn eine Geschichte wie die von der Kreuzigung und Auferstehung verständlich erzählt werden soll. Um das zu erreichen, wird der Konjunktiv rausgelassen, genauso Genitiv, lange Zeilen, Bleiwüsten und Blocksatz. Auch die Bilder spielen eine wichtige Rolle. „Beim Text geht es um einfache Sprache, bei gezeichneten Figuren liegt die Kunst in reduzierten Perspektiven und einer sparsamen Gestik“, verdeutlicht Illustrator Stefan Albers.

Von den Übersetzungen profitieren nicht nur behinderte Menschen, davon ist das Bremer Team überzeugt. Das helfe auch Analphabeten und ausländischen Mitbürgern. Ein Rätsel konnte während der Präsentation aber nicht geklärt werden: Warum wird Jesus in der Ostergeschichte der Lebenshilfe durchgehend als nordischer Typ mit blondem Haar und blondem Rauschebart dargestellt? Auch wenn es darauf keine Antwort gab, Testleser Neddermann als Vertreter der Zielgruppe sieht kein Problem: „Für uns passt das.“

Dieter Sell, epd

Verstehen leicht gemacht

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Leichte Sprache im Gottesdienst hilft Begriffe zu öffnen. Bild: epd-Bild

Verstehen leicht gemacht ist das Ziel der „Leichten Sprache“. Ursprünglich ist sie eine Errungenschaft der Selbsthilfebewegung von Menschen mit geistigen Behinderungen, die ihr Recht auf verständliche schriftliche Informationen eingefordert und auf eine Sprache gedrängt haben, die ihren kognitiven Fähigkeiten entspricht. Doch auch in der Predigt leistet „Leichte Sprache“ einen wertvollen Dienst.

Was die Übertragung eines Predigttextes in „Leichte Sprache“ leistet

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