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Bild: epd-Bild/ Jens Schulze

Emden als europäische Reformationsstadt ausgezeichnet

Tagesthema 19. Januar 2014

Als erste Stadt auf dem Kontinent darf sich Emden künftig "Reformationsstadt Europas" nennen. Der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien habe der Stadt die Auszeichnung bereits im Dezember zuerkannt, sagte Bürgermeister Bernd Bornemann in Emden. Mit dem Titel wolle die Stadt für das Reformationsjubiläum 2017 werben, sagte Bornemann.

Kirchen begrüßen die Ernennung von Emden

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Detlef Klahr. Bild: epd-Bild / Norbert Neetz  

Die Kirchen in Ostfriesland haben die Ernennung Emdens zur ersten „Reformationsstadt Europas“ gewürdigt. „Ich freue mich, dass die gemeinsamen Gespräche, die auf Initiative der Stadt Emden zwischen kulturellen Einrichtungen und den verschiedenen christlichen Konfessionen im Stadtgebiet so erfolgreich waren, dass die Stadt nun als erste diese Auszeichnung führen darf“, sagte der evangelisch-lutherische Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland-Ems, Detlef Klahr.

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Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Bild: epd-Bild

Auch der reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher würdigte die Kooperation zwischen Stadt, Kirche, Wissenschaft und Kultur in Emden. Die Auszeichnung mache deutlich: „Reformation ist weit mehr als nur Martin Luther und Wittenberg“ Eng mit der Geschichte der Stadt Emden seien auch die beiden bedeutenden Reformatoren Johannes a Lasco und Menso Alting verbunden. „Die Auszeichnung ist ein Ansporn für das weitere gemeinsame Engagement in Emden.“

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Emden. Bild: Markus Bernet / WikiCommons  

Am Montag war bekannt geworden, dass Emden künftig mit dem Titel für sich und das Reformationsjubiläum 2017 werben darf. Verliehen wird die Auszeichnung von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien. Nach Auskunft der GEKE haben sich zahlreiche weitere Städte beworben, doch müsse erst ein wissenschaftlicher Beirat darüber entscheiden. Bis dahin blieben die Namen geheim.

Emden hatte sich mit einem Bündnis um die Auszeichnung beworben. Daran beteiligt sind die evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen, die evangelischen Kirchengemeinden in Emden, die Mennonitische Kirchengemeinde und die Johannes-a-Lasco-Bibliothek. Auch über das Reformationsjubiläum hinaus wollten die Projektbeteiligten mit zahlreichen Aktionen und Projekten über die Zeit der Reformation informieren. Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) hatte die Unterlagen persönlich nach Wien gebracht.

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Die Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek. Bild: Jens Schulze  

Das Jahr 1517 gilt für die Protestanten in aller Welt als Beginn der Reformation durch Martin Luther (1483-1546) und die Entstehung der evangelischen Kirche vor fast 500 Jahren. Ob Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist zwar historisch nicht gesichert. Die öffentliche Wirkung, die von der Anprangerung kirchlicher Missstände wie dem Ablasshandel ausging, ist jedoch unumstritten.

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Schlosskirche Wittenberg. Bild: epd-Bild / Norbert Neetz

Die Stadt Emden gehörte im 16. Jahrhundert neben Genf und Wittenberg zu den einflussreichsten Stätten der Reformation. Sie war damals der größte Seehafen Europas und eine der größten Städte im Deutschen Reich. Als in den Niederlanden die Verfolgung Andersgläubiger einsetzte, war Emden ein Zufluchtsort für Tausende französischsprachiger Glaubensflüchtlinge. Zu den wichtigsten Reformatoren der Stadt zählen Johannes a Lasco (1499-1560) und Menso Alting (1541-1612).

In der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa sind heute nach eigenen Angaben 107 Kirchen mit rund 50 Millionen Mitgliedern vereint. Nach dem Beispiel der Europäischen Kulturhauptstädte hat die Kirchengemeinschaft eine Initiative zur Auswahl Europäischer Reformationsstädte gestartet. Rund 20 über den Kontinent verteilte Städte sollen unter dem Titel „Reformationsstadt Europas“ das Reformationsgedenken in die europäische Öffentlichkeit tragen.

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Johannes-a-Lasco-Bibliothek. Bild: Jens Schulze

Zu den bedeutendsten Reformatoren Ostfrieslands zählen die Theologen Menso Alting und Johannes a Lasco

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Johannes a Lasco. Bild anonymus / WikiCommons

Der polnische Humanist und Theologe Johannes a Lasco (1499-1560) war von 1542 bis 1549 der leitende Theologe der damaligen ostfriesischen Kirche. Seine Arbeit beeinflusste auch die Reformationsbewegung in Polen, den Niederlanden und England. Der Reformator wurde in Lasko in der Nähe von Warschau geboren. Der zweite Sohn eines Barons wurde 1521 zum katholischen Priester geweiht.

1524 wurde Lasco Schüler des bedeutenden Humanisten Erasmus von Rotterdam (vermutlich 1465-1536) in Basel. Durch den Theologen und Reformator Albert Hardenberg (1510-1574) schloss sich Lasco reformatorischen Kreisen an. Er heiratete und nahm in Emden das Amt des Superintendenten der ostfriesischen Kirche an.

In den knapp sieben Jahren in Emden strukturierte Lasco das Kirchenwesen neu. Die Gemeinde wurde nun von einem Kirchenrat geleitet, dem sowohl Prediger als auch erstmals Laien als Älteste angehörten. Sein Bemühen, lutherische und calvinistische Theologen zu einer Kirche zusammenzuführen, scheiterte.

Nach der Niederlage der protestantischen Truppen im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) musste Lasco 1549 Emden wieder verlassen und flüchtete nach London. Dort wurde er zum Superintendenten der protestantischen Flüchtlingsgemeinde aus Frankreich und den Niederlanden ernannt.

Während der blutigen Rekatholisierung Englands musste Lasco erneut flüchten. Über Umwege kehrte er nach Emden zurück. Nach theologischen Streitigkeiten zog er endgültig nach Polen und starb in Pinczów bei Krakau.

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Menso Alting. Bild: WikiCommons

Der niederländische Priester Menso Alting (1541-1612) trat 1565 vom Katholizismus zur evangelisch-reformierten Kirche über. 1567 musste er vor der katholischen Gegenreformation aus den Niederlanden flüchten. Im Oktober 1575 kam er als Nachfolger von Hardenberg nach Emden, wo er bis 1612 die Gemeinde leitete und Vorsitzender der Versammlung der reformierten Prediger Ostfrieslands wurde.

Alting setzte maßgeblich den Calvinismus in Emden durch. Experten zufolge hat er seine Glaubensüberzeugung so vehement vertreten, dass sie in die Emder Revolution von 1595 mündete. In der Folge befreite sich die Stadt von ihrem lutherischen Landesherrn Edzard II. und machte damit den entscheidenden Schritt zur politischen Autonomie. Der Aufstieg zur Reichsstadt gelang zwar nicht, doch als quasiautonome Stadtrepublik – ein Status, den sie bis zum Beginn der preußischen Herrschaft 1744 aufrechterhalten konnte – kam Emden dieser Stellung recht nahe.

epd

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