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Bild: Jens Schulze

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Sinnvolle Inspiration

Tagesthema 24. September 2013

Landeskirche verleiht zum zweiten Mal Kulturpreis

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Mit Autoreifen - eine Szene über den Arbeitsalltag auf einem Containerschiff von der Künstlergruppe "Das letzte Kleinod". Bild: Jens Schulze

Eine Vorstellung von „Das letzte Kleinod“ sei „einfach und einfach Theater“, fasste Laudator Hartmut Krug, Theaterkritiker aus Berlin, die bisher 20 Inszenierungen der Künstlergruppe zusammen. Die Inszenierungen der norddeutschen Theatergruppe findet nicht auf irgendeiner Stadtbühne sondern an dramaturgisch-konzeptionell ausgesuchten Orten statt, erzählt er bei der Verleihung des Kulturpreises der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in der St. Michaeliskirche in Hildesheim. So spielen sie am Elbeufer bei Cuxhaven, am Strand auf Spiekeroog oder ihr neuestes Stück über chinesische Wäsche am Überseehaffen in Bremerhaven. Dabei nehme die Künstlergruppe in ihren dokumentarischen Inszenierungen Lokalgeschichte im Norden Deutschlands auf und verbinde sie mit globalen Themen, urteilte die Jury. Sie berühre Menschen mit unbequemen Themen wie einem Stück über Zwangsarbeiterinnen, erläuterte Jurysprecherin Gesa Schönermark von der Stiftung Niedersachsen. Oder mit den Worten des Laudators Hartmut Krug: „Es ist ein Theater, das Partei für die Menschen nimmt, indem es sie nicht verkitschst, sondern sie mir ihren Sehnsüchten und Widersprüchlichkeiten zeigt.“ Ihn überrasche nicht, dass die Kirche diese Art von Wirklichkeitstheater mit ihrem Kulturpreis auszeichne.

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Begeistert: Julia Helmke und Landesbischof Ralf Meister. Bild: Jens Schulze

Das entsprach dem, wie Landesbischof Ralf Meister als Schirmherr erläutere, was Künstler und Kirche verbinde: „Sie und wir sind Arbeiterinnen und Arbeiter am Sinn und suchen nach Spuren der Dignität unseres Daseins.“ Was die Sehnsucht der Menschen ohne den Eros der Künste wäre, fragte er bei der zweiten Verleihung des landeskirchlichen Kulturpreises: Die Kirche verleihe einen Preis an die, die auf anderen Wegen die gleichen Fragen wie die Kirche stelle. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ging 2013 zu gleichen Teilen an die Theatergruppe "Das letzte Kleinod" aus Schiffdorf bei Bremerhaven und die Künstlerin Joanna Schulte aus Hannover.

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Interessiert beobachten: Videoinstellationen von Joanna Schulte. Bild: Jens Schulze

Für die Multimedia-Künstlerin Joanna Schulte sprach die Kuratorin Veronika Olbrich: Die Kunst von Joanna Schulte zeige Affinitäten zu einem Dialog über Fragen zu Glauben und Gesellschaft. Sie mache privates öffentlich und stelle damit die Frage, wie nah Kunst dem Persönlichen kommen dürfe. Ausgestellt wurden in der Michaeliskirche in Hildesheim zur Preisverleihung vier Vorhänge, die sie von ihrer Mutter geerbt habe: Mühsam und in stundenlanger Arbeit habe sie diese Stoffe mit Worten aus dem vierten Gebot bestickt: glänzendes Plastik verändert durch die Technik des Klosterstichs. In der Begründung der Jury für den Preis wird betont, dass Joanna Schulte durch ihren sensiblen Umgang mit grundlegenden Themen des Lebens überzeuge. Ihre Fotografien, Video-Installationen und Projektionen erzählten von Menschen mit ihren Sehnsüchten und Hoffnungen, von Liebe, Tod und Vergänglichkeit sowie von Erinnerung und Ewigkeit. Beispiel dafür sei auch ihre Fotoserie „Das Versprechen“: gezeigt werden Schlafzimmer mit zwei Betten – eines davon ist sichtbar verlassen. Ausgestellt habe sie die Fotos in einem Schloss, in dem romantische Trauungen gefeiert werden. Mit solchen thematischen Ausstellungen, die tief ins Persönliche eindringen, gestalte sie religiöse Fragen und öffne sie für das Gespräch zwischen Kunst und Kirche.

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Stephan Doormann dirigiert Quilisma. Bild: Jens Schulze  

Der von der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel (EKK) gestiftete Kulturförderpreis ging an den Kinder- und Jugendchor Quilisma. Er ist mit 5.000 Euro dotiert. Es freue ihn „ungemein“, meinte Markus Lüdke, Geschäftsführer bei Musikland Niedersachsen, dass damit Jugendliche ausgezeichnet werden, die ausnahmsweise nicht Objekte der Kulturvermittlung wären, sondern Akteure: „Sind die jungen Choristen entzündet, geben sie ihre Begeisterung weiter.“ Ausgezeichnet werde der Chor, der auch in Kanus auf der Leine, in Freibädern und im Wisentgehe singt, für seine mitreißende und öffentlichkeitswirksame Musikvermittlung. Der künstlerische Leiter des Chores aus Springe, Stephan Doormann, begegne den Jugendlichen mit Respekt und auf Augenhöhe und erarbeite gemeinsam mit ihnen die künstlerische Umsetzung, heißt es in der Jurybegründung.

Drei Preisträger, die eine Reaktion von Landesbischof Ralf Meister, verdeutlichen. Auf die Frage, was die Künstler mit der Kirche zu tun haben müssen: „Um Gottes Willen – zuerst einmal nichts.“ Die Künstler böten eine Hilfe dabei, die Welt zu sehen und den Glauben zu reflektieren: „Das sind Inspirationen, die ich für sinnvoll erachte für die Kirche.“

Von: Christof Vetter

Mit der Kamera dabei

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Von der Preisverleihung und über die ausgezeichneten Künstler berichtet das Team vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn). 

Wahrnehmen. Würdigen. Fördern. Ins Gespräch bringen:

Am 24. September 2013 hat die Landeskirche Hannovers zum zweiten Mal ihren Kultur- und Kulturförderpreis. vergeben.
„Der Kulturpreis zeichnet künstlerische Werke und Positionen im Raum der Landeskirche aus, die Durchlässigkeit auf das Evangelium hin aufzeigen, zur Auseinandersetzung mit Themen der protestantischen Tradition anregen und diese herausfordern.“ So Dr. Julia Helmke, Kulturbeauftragte im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche. „Mit dem Kulturförderpreis wollen wir junge Künstlerinnen und Künstler für ihr zukünftiges Schaffen und zur Dialogfähigkeit zwischen Kunst und Kirche ermutigen.“

Mehr über den Kulturpreis der Landeskirche

Die Jury

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Mitglieder der Jury. Bild: Jens Schulze

Landsbischof Ralf Meister: "Ich danke allen, die mir das Geschen machen, dass ich den schönsten Preis unserer Landeskirche verleihen darf."

Die Jury dieses Preises:

  • Dr. Gesa Schönermark. Jurysprecherin, Referentin für Musik, Literatur, Bildung, Wissenschaft in der Stiftung Niedersachsen
  • PD Dr. Jochen M. Arnold, Direktor des Michaelisklosters Hildesheim, Theologe und Kirchenmusiker
  • Hans Werner Dannowski, Stadtsuperintendent i. R. - Seit Jahrzehnten intensiv im Gespräch von Kirche und Kunst involviert, Nestor der kirchlichen Kunst- und Kulturarbeit in der Landeskirche Hannovers
  • Oberlandeskirchenrat Prof. Dr. Klaus Grünwaldt, Landeskirchenamt, Dezernent für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmusik
  • Dr. Sabine Hellweg, Ärztin, Mitglied der Landessynode
  • Heinz Kattner, Schriftsteller, Lektor, Herausgeber und Dozent
  • Dr. Ulrich Kühn, NDR Kultur. Leitung Redaktion Kulturmagazine
  • Pastorin Silvia Mustert, Referentin in der Kanzlei des Landesbischofs
  • Veronika Olbrich, Kuratorin - Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur/Museen und Bildende Kunst
  • Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Geschäftsführender Direktor des Instituts Kulturpolitik an der Stiftungsuniversität Hildesheim

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