2013_03_25

Bild:  lemmiu / photocase.com

Wildwest in der Lüneburger Heide

Tagesthema 24. März 2013

Sie sind so süß, dass sie jedem Kind das Herz brechen: Auf dem niedersächsischen Tütsberghof blöken derzeit fast 400 Heidschnuckenlämmer um die Wette. Sie sind wichtig für den Naturschutz - und spielen Ostern eine Hauptrolle.

Schnuckenlämmer sind für den Naturschutz wichtig und zählen zu den bekanntesten Ostersymbolen

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Im Stall des Tütsberghofes in Schneeverdingen am Rande der Lüneburger Heide trägt Schäfer Uwe Storm ein Heidschnucken-Lamm auf dem Arm. Bild: Matthias Dembski / epd-Bild

Was sich am späten Vormittag auf dem Tütsberghof in der Lüneburger Heide abspielt, braucht keinen Vergleich mit einem Western zu scheuen. Wenn Schäfer Uwe Storm das Stalltor zur Fütterungszeit öffnet, prescht seine Heidschnuckenherde mit donnernden Hufen und hoher Geschwindigkeit um die Ecke. „Da solltest du nicht zwischen stehen, sonst wirst du überrannt“, warnt Storm, der seit mehr als 30 Jahren als Schäfer arbeitet. Kurze Zeit später stehen die Schnucken friedlich an den Futterraufen mit Kleegras und Heu in der Stallmitte.

Seine Herde auf dem Bioland-Hof bei Schneverdingen zählt derzeit 880 Schnucken, darunter viele Lämmer, die von Geburt an alle schwarz sind. Die Tiere sind nicht nur wichtig für den Naturschutz, speziell die Lämmer zählen zu den bekanntesten Ostersymbolen. Sie stehen für die unschuldige Hingabe, für das Sterben Jesu am Kreuz. Im Johannes-Evangelium wird Jesus Christus selbst als Lamm bezeichnet: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“. Auch in Erinnerung daran kommt in vielen Familien zu Ostern ein Lammbraten oder ein aus Kuchenteig gebackenes Lamm auf den Tisch.

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Heidschnucken-Lämmer tümmeln sich in ihrem Stall und können es gar nicht mehr erwarten, demnächst durch das Gelände ziehen zu dürfen. Bild: Matthias Dembski / epd-Bild

390 Lämmer sind in den zurückliegenden Wochen auf dem Tütsberghof zur Welt gekommen, alle im Stall. Bis zum Beginn der Lammzeit war die Herde noch draußen in der Heide unterwegs und hat „geschnickert“, was hochdeutsch soviel wie „naschen“ bedeutet. Daher kommt der Name der genügsamen Tiere, die ursprünglich von Mufflons, den südeuropäischen Wildschafen, abstammen. Frost kann den robusten Heidschnucken mit ihrem dichten grauen Fell nichts anhaben. Selbst bei Schnee sind sie mit dem Schäfer unterwegs. Denn ihr Hauptzweck ist es, 800 Hektar Heidefläche zu pflegen.

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Heidschnucken-Lämme: Die Tiere sind wichtig für den Landschafts- und Naturschutz in der Lüneburger Heide. Bild: Matthias Dembski / epd-Bild

„Die Heidschnucken erhalten die Heide als Kulturlandschaft, indem sie ihr Nährstoffe entziehen“, sagt Andreas Koopmann, Fachbereichsleiter Landwirtschaft und Naturschutz beim Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP). Denn nur auf nährstoffarmen Böden gedeihen die Heidebüsche. Allein durch Luftschadstoffe, die über der Heide abregnen, ist der Boden mit Stickstoff überdüngt. Das Gras droht ständig, die Heide zu überwuchern. „Ohne die Pflege unserer vierbeinigen Mitarbeiter würde aus der Lüneburger Heide innerhalb weniger Jahre der Lüneburger Wald.“ Eine Schnucke exportiert täglich kiloweise Nährstoffe aus der Heide - und lässt sie als Kot größtenteils nachts im Stall. Der Dung landet dann auf ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen.

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Schäfer Uwe Storm versorgt seine Heidschnucken und die vielen Lämmer, die in den zurückliegenden Wochen zur Welt gekommen sind. Bild: Matthias Dembski / epd-Bild

Noch ist die Herde nicht unterwegs. „Mit drei bis vier Wochen können die Lämmer raus, aber dann ist das auch noch ein ziemlicher Kindergarten“, meint Uwe Storm. „Bis April muss der Großteil der Herde soweit sein, dass ich ihn wieder in der Heide hüten kann. Man muss mit kurzen Strecken anfangen, weil die Lämmer natürlich von den Großen erst das Laufen in der Herde lernen.“

Den Drang ins Grüne haben die Schafe schon jetzt, auch wenn der Frühling noch auf sich warten lässt. „Die laufen wie verrückt, sobald sie wieder raus in die Heide kommen. Da müssen die Hunde richtig Gas geben, weil die Schafe nur fressen wollen.“ Schäfer Storm setzt voll auf seine vier altdeutschen Hütehunde. Die laufen bis zu 80 Kilometer pro Tag. „Die Hunde müssen dann nach sechs Wochen Ruhezeit von null auf hundert wieder arbeiten. Deshalb fangen wir mit kleinen Wegen an, damit die Lämmer mitkommen und sich nicht aus Müdigkeit in die Heide werfen und verloren gehen.“

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Das Lamm hat eine hohe Bedeutung im Christentum und ist eines der bekanntesten Ostersymbole. Bild: Matthias Dembski / epd-Bild

Neben der Landschaftspflege hält der Verein die Heidschnucken auch zur Fleischproduktion. Das fettarme, sehr zarte Fleisch mit wildähnlichem Geschmack gilt als Delikatesse. Nach frühestens sieben bis neun Monaten gehen die Tiere zu Schlachtbetrieben, die das Fleisch regional in der Heide vermarkten. Wer zu Ostern Schnuckenfleisch kauft, bekommt als „Osterlamm“ also kein in diesem Winter geborenes Tier, sondern einen „Jährling“ aus dem vergangenen Jahr.

Nicht nur das Fleisch, auch die grobe Schnuckenwolle wird genutzt - für Düngerpellets oder zur Filzproduktion. „Das Scheren ist aber teurer als der Ertrag“, erläutert Betriebsleiter Koopmann. Ohne Fördermittel von EU und Land sei der Naturschutz nicht machbar. „Wir bangen von Förderperiode zu Förderperiode. Deshalb sind auch Heidschnuckenpatenschaften, Spenden und Zustiftungen wichtige Bausteine, um unsere ökologische Arbeit für den Heideerhalt langfristig zu finanzieren.“

Von Matthias Dembski (epd)

Was das Lamm mit Karfreitag und Ostern zu tun hat

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Das Lamm steht für die unschuldige Hingabe, für das Sterben Jesu am Kreuz. Bild: Matthias Dembski / epd-Bild

Das Lamm ist eines der bekanntesten Ostersymbole. Es steht für die unschuldige Hingabe, für das Sterben Jesu am Kreuz. Im Johannes-Evangelium wird Jesus Christus selbst als Lamm bezeichnet: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“. Und der Prophet Jesaja sagt über den Messias voraus: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“

Schon in der Antike waren junge Schafe klassische Opfertiere. Im Alten Testament gibt Gott Mose genaue Anweisungen, wie Opferlämmer zu töten sind. Im Judentum wird zum Passahfest, das im Frühling zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten gefeiert wird, häufig ein Lamm geschlachtet. Auch im christlichen Altertum legte man zu Ostern Lammfleisch unter den Altar. Es wurde geweiht und am Ostersonntag, dem Auferstehungstag, als erste Speise verzehrt.

Christus in seiner doppelten Funktion als guter Hirte und als Opferlamm ist häufiges Motiv christlicher bildlicher Darstellungen. Ein Lamm mit einer Siegesfahne soll dabei den Sieg Christi über den Tod symbolisieren, also die Auferstehung. Schon in den römischen Katakomben erscheint das Lamm als Christussymbol. Das Gleichnis vom Lamm Gottes, dem Agnus Dei, ist das ganze Kirchenjahr über bei der Abendmahlfeier präsent, bei der die Gemeinde bittet: „Christe, Du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme Dich unser.“

epd

Aus einem Karfreitagslied
von Paul Gerhardt

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
Der Welt und ihrer Kinder;
Es geht und träget in Geduld
Die Sünden aller Sünder;
Es geht dahin, wird matt und krank,
Ergibt sich auf die Würgebank,
Verzeiht sich aller Freuden;
Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreunz und Tod
Und spricht: Ich will's gern leiden.

2. Das Lämmlein ist der große Freund
Und Heiland meiner Seelen;
Den, den hat Gott zum Sündenfeind
Und Sühner wollen wählen.
Geh hin, mein Kind, und nimm dich an
Der Kinder, die ich ausgetan
Zur Straf' und Zornesruten.
Die Straf' ist schwer, der Zorn ist groß,
Du kannst und sollst sie machen los
Durch Sterben und durch Bluten.

3. Ja, Vater, ja, von Herzensgrund,
Leg' auf, ich will dir's tragen;
Mein Wollen hängt an deinem Mund,
Mein Wirken ist dein Sagen.
O Wunderlieb', o Liebesmacht,
Du kannst, was nie kein Mensch gedacht,
Gott seinen Sohn abzwingen!
O Liebe, Liebe, du bist stark,
Du streckest den ins Grab und Sarg,
Vor dem die Felsen springen!