2012_10_29

Stiften: Feuer und Flamme

Tagesthema 28. Oktober 2012

Etwa 4.000 Ehrenamtliche sind Feuer und Flamme

Regionaler Stiftungstag der Landeskirche

STIFTEN
Stiften gehen tut Gut. Bild: Martin Käthler / EMSZ

Eine Stiftung ist wie ein Generationenvertrag: sie umfasst ein bestimmtes, unantastbares Vermögen (meist Geld, aber auch Gebäude oder Grundstücke), die Erträge werden dann Jahr um Jahr verwendet um den Stiftungszweck zu erfüllen. Damit wirkt eine Stiftung langfristig und nachhaltig.

Tragende Säule der über 400 Stiftungen in unserer Landeskirche sind viele tausend Menschen vor Ort, die sich ganzjährig oder auch punktuell meist ehrenamtlich engagieren, denn mit der Gründung einer Stiftung beginnt erst die eigentliche Arbeit. Eine Stiftung muss bekannt gemacht werden, in der Gemeinde und in der Öffentlichkeit, sie macht „Fundraising“, um nach und nach das Stiftungskapital zu erhöhen. Und allerlei rechtliche Aspekte sind zu beachten. Zu all diesen Fragen ist das Evangelische MedienServiceZentrum (EMSZ) Ansprechpartner.

In diesem Herbst hat das EMSZ nach vier zentralen Stiftungstagen in Hannover erstmals fünf regionale Stiftungstage veranstaltet und damit einen Wunsch vieler Ehrenamtlicher aufgenommen. 175 Stiftungs-Aktive kamen im September und Oktober nach Osnabrück, Bad Lauterberg, Springe, Lüneburg sowie heute nach Zeven, um mit- und voneinander zu lernen und sich auszutauschen. Auf dem Programm: Wie gelingt es uns, Menschen für unsere wichtige Arbeit zu begeistern? Wie können wir mit ihnen auch über ein so sensibles Thema wie Erbschaften und Vermächtnisse zu Gunsten einer kirchlichen Stiftung sprechen? Und welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten für Stiftungen. Zudem hatten die Ehrenamtlichen die Möglichkeit, sich persönlich kennen zu lernen. So wurde eine Basis geschaffen für die weitere selbstständige Vernetzung in den Regionen.

Martin Käthler (EMSZ)

Aus einem Funken wurde ein Feuerwerk

Ausstellung 2008
Stiften – typisch evangelisch (Ausstellung 2008). Bild: EMSZ

„Die Kirche“ ist nunmehr 2.000 Jahre alt und die evangelischen Christen feiern bald „500 Jahre Luther“. Da wundert es nicht, wenn sich Verantwortliche in der Kirche Gedanken über die Zukunft machen, die weiter gehen als vielleicht in der Politik oder in der Wirtschaft. Zum Beispiel bis ins Jahr 2050.

Deutschland ist Vizeweltmeister - im Alter, gleich hinter Japan. Im Jahr 2050 dürfte jeder siebente in Deutschland lebende Mensch 80 Jahre oder älter sein. Dies wird fundamentale Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben. Und selbstverständlich auch auf unsere Kirche: die Aufgaben, insbesondere im sozialen und seelsorgerischen Bereich werden immer mehr und kostenintensiver, die Einnahmen, insbesondere durch die Kirchensteuer hingegen werden immer geringer. Augen zu und Kopf in den Sand – oder mit klarem Blick in die Zukunft geschaut?

Im Jahr 2001 gab es innerhalb der hannoverschen Landeskirche 85 Stiftungen. Heute sind es 418. So etwas fällt nicht einfach vom Himmel. Der Stiftungsfunke wurde 2001 durch die Landeskirche geschlagen und hat schnell gezündet. Zwei Wanderausstellungen und ein begünstigender finanzieller Wind der Landeskirche durch drei Bonifizierungsaktionen führten landauf landab zu 333 Neugründungen in nur zehn Jahren: von Cuxhaven bis Hann. Münden, von Osnabrück bis Wolfsburg, auf Langeoog und Spiekeroog im Wattenmeer, in Osterode und Herzberg im Harz. Die Satzungszwecke sind vielfältig: Förderung der Diakonie, das Engagement für Kinder, Senioren oder Familien, Hospizarbeit, Kirchenmusik, die Unterstützung von Klöstern  und vieles mehr. Vielerorts entstanden auch lokale Gemeindestiftungen mit dem Zweck der Förderung der kirchengemeindlichen Arbeit.

EMSZ

Wie wird ein Student Stiftungsvorstand und damit Vorbild?

Ralf Elsner
In jungen Jahren die jungen Jahre einer Stiftung begleiten. Bild: Ralf Elsner.

Immer wieder war es da. Dieses Problem, welches wohl jeder kennt, der in der Kirche aktiv ist. In meiner Zeit im Kindergottesdienst habe ich es natürlich noch nicht wahrgenommen, aber als für den Jugendraum neue Sitzmöbel angeschafft wurden, war es das erst Mal sehr präsent. Als junger Kirchenvorsteher wurde es dann immer deutlicher. Das Interesse und die Begeisterung an der Mitarbeit in der Kirche wuchsen – und das Geld schien immer knapper zu werden. Die Finanzierung der Diakonstelle, neue Instrumente für die Chöre oder Anschaffungen für die Jugendarbeit – immer stand die Frage im Raum, was das alles kostet. So wuchs die Idee, eine Stiftung zu gründen und zu versuchen, nicht mehr „von der Hand in den Mund zu leben“, sondern eine solide und wachsende Basis zur Finanzierung unseres lebendigen Gemeindelebens zu schaffen. Nach vielen Gesprächen ließen sich einige Menschen für die Arbeit im Kuratorium begeistern und die Stiftung wurde gegründet. Wir hatten eine tolle Idee – aber kein Geld. Das war vor gut fünf Jahren. Im Kuratorium haben wir seit dieser Zeit gemeinsam viel geplant und tolle Aktionen durchgeführt, wodurch wir schon viele Stifterinnen und Stifter gewinnen konnten. Diese ersten Jahre der Stiftung, die ich neben meinem Studium mitgestalten konnte, waren oftmals anstrengend. Aber das wachsende Kapital – und auch die größer werdenden Erträge – und insbesondere die positiven Entwicklungen in und um die Stiftungen faszinieren und motivieren mich immer wieder neu. Heute stehen wir kurz vor 90.000 Euro Stiftungskapital und diese Marke zu überschreiten ist das Jahresziel für 2012. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es noch vor Weihnachten schaffen werden. Für 2013 werden wir uns ein neues Jahresziel festlegen. Die Finanzierung von musikalischer Aktivität oder Jugendarbeit konnten wir schon durch die Stiftungsarbeit fördern und damit einige finanzielle Probleme lösen. Das schafft Raum für kreative Arbeit und einen lebendigen Glauben in der Gemeinde.

Von Ralf Elsner, 27 Jahre alt, studiert BWL und ist seit fünf Jahren Mitglied im Kuratorium der Heseler Liudgeri Stiftung, dessen Vorsitzender er seit eineinhalb Jahren ist.

Aus der Bibel

Die Pläne werden zunichte, wo man nicht miteinander berät.
Wo aber viele Ratgeber sind, gelingen Sie.

Sprüche 15,22

Spuren hinterlassen...
In Stiftungen bleiben Vermächtnisse lebendig

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Viele Stiftungen in unserer Landeskirche wurden nach einer Erbschaft gegründet. Mit einem Mal bekamen Kirchengemeinden oder kirchliche Einrichtungen die Nachricht, sie seien in einem Testament bedacht worden; und sie nutzten dieses großzügige Geschenk, welches Ihnen durch den letzten Willen eines Menschen zugefallen war, um eine Stiftung damit zu errichten, so dass das Ererbte auf ewig Früchte trägt. So auch in Nienburg an der Weser. Dort erbte die Kirchengemeinde vor zehn Jahren 70.000 DM und errichtete damit die Stiftung St. Martin. Im zehnten Jahr des Bestehens folgte die zweite Erbschaft: diesmal 700.000 Euro für die Stiftung.

1. Ökumenischen Kongress kirchlicher Stiftungen in Deutschland

Nach vier landeskirchlichen Stiftungstagen und dem gelungenen Auftakt in den Regionen, der im Frühjahr 2013 unter anderem in Celle und Rotenburg an der Wümme in die zweite Runde geht, ist unsere Landeskirche am 6. September 2013 Gastgeber für den ersten ökumenischen Kongress kirchlicher Stiftungen in Deutschland, in dem es im Schwerpunkt um die Rolle des kirchlichen Stiftungswesens in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft geht. Dazu sprechen neben Landesbischof Ralf Meister und Bischof Norbert Trelle auch der ehemalige Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und Professor Ulrich Hemel.

Professor Hans Fleisch
Professor Fleisch im März 2012 beim 4. Stiftungstag in Hannover, Bild: Isabell Massel

Veranstalter ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen, dessen Generalsekretär, Professor Hans Fleisch (Bild: Isabell Massel), bereits die zwei zurückliegenden Stiftungstage der Landeskirche eröffnet hat. Im März diesen Jahres gab er den 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bezogen auf die Fragestellung „Kirchliche Stiftungen - die richtige Antwort in schwierigen Zeiten!?“ fünf wertvolle Impulse mit auf den Weg.