Bild: Jens Schulze

Der Himmel lacht

Tagesthema 30. September 2012

„Musik von großer Anziehungskraft“ - Früherer Stadtsuperintendent bringt Buch über Bach heraus

Der frühere evangelische Stadtsuperintendent von Hannover, Hans Werner Dannowski, hat ein Buch über Johann Sebastian Bach (1685-1750) vorgelegt. Unter dem Titel „Der Himmel lacht“ beschreibt er 20 ausgewählte Kantaten des Komponisten und verknüpft sie mit dessen Biografie, aber auch mit eigenen persönlichen und theologischen Beobachtungen. Bach habe Musik von großer Anziehungskraft geschaffen, die viele Menschen fasziniere, sagte Dannowski (79) am Freitag im epd-Gespräch: „Mein Interesse ist, hinter den äußeren Eindruck zu schauen und herauszufinden, was ihn persönlich und von seinem Glauben her bewegt hat.“

Dannowski hat zu Bach eine ganz besondere Beziehung. Dessen Musik habe ihn das ganze Leben lang auch durch schwere Krankheiten begleitet. „Sie hat mir unheimlich viel Kraft gegeben.“ Der Hörer spüre, dass der Komponist Freude und Glück, aber auch Krankheit und tiefe Traurigkeit durchlebt habe. Bachs erste Frau und einige Kinder starben im Kindbett. Das spiegele sich etwa in seiner Weihnachtskantate: „Eine Geburt war für ihn offensichtlich nicht nur ein Freudenfest, sondern auch mit Angst verbunden.“

Mehr als 300 Kantaten schuf Bach im Laufe seines Lebens, für jeden Sonntag des Jahres fünf oder sechs Gesangswerke für Chor, Solisten und Orchester. Rund hundert gingen verloren, und von den übrigen 200 sind viele weithin unbekannt. Dannowski will mit seinem Buch aus dem Lutherischen Verlagshaus Hannover dazu beitragen, dass sich das ändert.

Dafür hat sich der Theologe in musikwissenschaftliche Literatur vertieft. Auf 160 Seiten analysiert er die ausgewählten Kantaten, die zu zahlreichen Anlässen von Weihnachten über Ostern und Pfingsten bis zum Totensonntag entstanden. „Die Inhalte des Glaubens sind am ehesten über Musik vermittelbar“, sagt Dannowski. „Bach leistet enorme missionarische Dienste.“ Seine Musik berühre die Hörer emotional, ohne sie zu vereinnahmen.

Dannowski war von 1980 bis 1998 Stadtsuperintendent an der Marktkirche in Hannover. Er engagierte sich für das Gespräch von Kirche und Kunst und war viele Jahre Filmbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

epd-Gespräch: Michael Grau

„Die Kraft der Musik an den Rändern des Lebens“

Ehemaliger Stadtsuperintendent von Hannover Hans Werner Dannowski stellte sein Buch über J.S. Bach vor

Ralf Meister führt in das Buch ein. Bild: Jens Schulze

Die Orgel dröhnt, als ziehe der Organist alle Register. Es sind die fulminanten Klänge Johann Sebastian Bachs. (1685-1750), die bei einer etwas anderen Buchvorstellung durch die Marktkirche von Hannover schallen. An dem Ort, wo Hans Werner Dannowski selbst fast zwei Jahrzehnte Stadtsuperintendent war, stellte der 79-Jährige am Freitagabend sein neues Buch „Der Himmel lacht“ über zwanzig Kantaten des berühmten Komponisten vor.

Ein langjähriger Freund und Weggefährte Dannowskis, Landesbischof Ralf Meister, hielt die Laudatio über den Autor und sein Werk. Meister betonte, dass die mehr als 150 Seiten nicht nur die positiven und fröhlichen Seiten von Bachs Musik beschreibe. „Es ist nicht nur Buch über Bach-Kantataten, sondern es ist ein Buch über die Kraft der Musik an den Rändern des Lebens.“ Besonders die persönlichen Krisen im Leben hätten den Autor noch näher zur Musik Bachs gebracht.

Hans Werner Dannowski liest aus seinem neuen Buch. Bild: Jens Schulze

Dannowski habe neben zahlreichen zitierten Stimmen über Bach auch viele persönliche Gedanken und Erfahrungen seines Lebens in das Buch mit einfließen lassen, sagte Meister vor über 200 Menschen, die zur Präsentation gekommen waren. Um eine Biografie zu schreiben, fehle dem Autor auch die Eitelkeit, sagte der Bischof schmunzelnd. „Immer wieder wirft er Blicke auf die Gesellschaft von heute.“ Das Buch habe ihn beeindruckend, betonte auch der Geschäftsführer des Lutherischen Verlagshauses Hannover, Hans-Christof Vetter. „Es ist eine Orientierung an der Lebenszeit und Lebenserfahrung, die der Leser aus dem Leben von Dannowski erfährt.“

Dannowski selbst betonte die Freude, die in so vielen Kantaten Bachs zu finden sei, in dem er aus dem Kapitel über die Kantate 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“ las. Beginnend mit den Worten: „Bis in den Schlaf verfolgte mich die Melodie.“ Ein Satz, der auch beschreibt, wie intensiv die Beziehung zwischen Autor und Komponisten wohl ist.

Knabenchor Hannover singt Bach. Bild: Jens Schulze

„Wir alle haben eine Beziehung zu Bach“, sagte Vorsitzende des Kirchenvorstands Reinhard Scheibe. Durch dieses Buch werde sie sogar noch verstärkt. Nicht nur durch Worte, sondern auch durch die Klänge von Bach könne der Leser dieses Buch im Laufe des Kirchenjahres erleben, erläuterte Vetter.

Dem Buch liegt eine Musik-CD mit Beispielen aus den 20 beschriebenen Bach-Kantaten bei.

Beendet wurde die Lesung mit leiseren Klängen, als zuvor Marktkirchen-Organist Ulfert Smid anspielte - wie um Bach sprechen zu lassen, ganz ohne Worte. Der Knabenchor Hannover schloss mit einem bewegenden „Halleluja“. So besinnlich und beschwingt, als würden die letzten Gedanken des Buchs, „Vom Abwischen der Tränen“, vertont. Der Text der Kantate beschreibt als Ziel der Sehnsucht, das alle Menschen Gefährten der Engel im Himmel sind. Dannowski ergänzt: „Weshalb könnten wir es nicht auch auf der Erde sein?“

Von Charlotte Morgenthal

Laudatio von Landesbischof Ralf Meister

Landesbischof Ralf Meister. Bild: Jens Schulze

Hans Werner Dannowski

Hans Werner Dannowski liest aus seinem neuen Buch. Bild: Jens Schulze

Hans Werner Dannowski war von 1980 bis 1998 Stadtsuperintendent an der Marktkirche in Hannover. In Göttingen, Imbshausen bei Northeim und Hannover-Linden war er als Pastor, Studiendirektor und Superintendent tätig. Sein Interesse gilt dem Thema „Kirche in der Großstadt“ und dem Dialog von „Kirche und Kunst“. Viele Jahre war er Filmbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland und Präsident der Internationalen Kirchlichen Filmorganisation „Interfilm“. Weithin bekannt geworden sind seine regelmäßigen Gottesdienste zu Werken zeitgenössischer Kunst im Sprengel Museum Hannover.