Kirche für Kinder

Tagesthema 03. Juni 2012

Rund 700 Besucher bei „Tag des Kindergottesdienstes“

Etwa 700 Kindergottesdienst-Mitarbeiter aus der hannoverschen Landeskirche haben sich am Sonnabend in Hildesheim zu einem Erfahrungsaustausch getroffen. Kindergottesdienste regten die Jungen und Mädchen an, anhand biblischer Geschichten über existenzielle Fragen nachzudenken, sagte der Beauftragte der evangelische Landeskirche für Kindergottesdienste, Pastor Dirk Schliephake dem epd.

In Deutschlands größter Landeskirche zwischen Göttingen und Cuxhaven besuchen nach seinen Angaben rund 22.000 Kinder regelmäßig einen evangelischen Kindergottesdienst. Betreut werden sie von rund 8.000 zumeist ehrenamtlichen Mitarbeitern.

„Der Kindergottesdienst macht die Kinder stark und widerstandsfähig, mit ihren Lebensumständen zurechtzukommen“, sagte Schliephake. Der Alltag von Kindern sei heute stark verschult, viele lebten als Einzelkinder. Dem stelle der Kindergottesdienst eine Gemeinschaftserfahrung entgegen. Zudem fänden viele Eltern über den Kindergottesdienst wieder einen Kontakt zur Kirche.

epd

Gottesdienst feiern und Praxiserfahrung

Mit nachdenklich stimmenden Worten begann der sechste Tag des Kindergottesdienstes, zu dem die hannoversche Landeskirche unter dem Motto „Was für Kinder“ eingeladen hatte. Gleich zu Beginn kletterten 40 Schüler in der Hildesheimer Michaeliskirche auf ihre Stühle und erzählten den Besuchern aus ihrem Leben. Oftmals hatten ihre Berichte mit Verlusterfahrungen und schmerzhaften Begegnungen mit dem Tod zu tun. „Es ist wichtig, dass es sich um echte Begebenheiten handelt. Dafür gilt den beiden sechsten Klassen aus dem Gymnasium Andreanum ein besonderer Dank“, erklärte anschließend Pastor Dirk Schliephake, der landeskirchliche Beauftragte für Kindergottesdienst. Als geradezu überwältigend bezeichnete er die Beteiligung an der Veranstaltung, die zum ersten Mal in Hildesheim stattfand.

„300 Gäste wären toll gewesen, 500 riesig aber 700 übertrifft alle Erwartungen. Diese Zahl ist ein tolles Zeichen für Kindergottesdienst in der Landeskirche“, sagte Schliephake. Ein 30-köpfiger Leitungsstab und zahlreiche ehrenamtliche Helfer stemmten die Großveranstaltung auf dem Michaelishügel. „Die Voraussetzungen in Hildesheim, einen Kindergottesdiensttag auf die Beine zu stellen, könnten mit der Michaeliskirche, dem benachbarten Michaeliskloster und dem Gymnasium Andreanum gar nicht besser sein“, erklärte Dirk Schliephake.

Die 700 Teilnehmer waren aus allen Teilen der Landeskirche angereist. In den anschließenden Praxis-Werkstätten wurde dann auf vielfältige Weise Gelegenheit zum Austausch gegeben. Die Referenten, die zu den Themengebieten Kindergottesdienst, Kirchenmusik und der praktischen Arbeit mit kleinen Leuten in der Kirche neue Inspirationen gaben, kamen teilweise sogar aus fernen Ländern.

So berichtete Pastor Marie Victor Tiozang aus Kamerun, wie dort ein Kindergottesdienst gefeiert wird. „Erst einmal muss man die Jungen und Mädchen zum Mitmachen ermutigen. Dann werden Lieder einstudiert und die biblische Nachricht des Tages vorgetragen“, erläuterte der weit gereiste Referent. Zum Abschluss würden Spiele den Gottesdienst abrunden. Ein paar Klassenräume entfernt ging es beim Angebot „Und dann hau ich mit dem Hammer – Kreatives besonders für die Grobmotoriker“ schon handfester zu. Ausgestattet mit Hammer, Säge und Feile machten sich die Teilnehmer unter der Leitung von Pastorin Susanne Franz aus Stade an die Gestaltung von Fensterbildern, Rasseln aus Kronkorken und Musikinstrumenten. „Das kommt besonders bei Bibelwochen sehr gut an“, erläutert die Leiterin der Werkstatt. Häufig hätten Jungen ja nicht so ein großes Interesse an filigranen Arbeiten wie dem Schneiden oder Verzieren. Da sind Laternen, die mit dem Hammer und Nägeln zusammengezimmert werden, doch eine echte Alternative. „Die Mädchen mögen ja eher das Dekorieren“, weiß die Pastorin. Aber auch die Freunde der Musik fanden auf der langen Liste der Angebote allerlei Interessantes. So kamen bei „Bibelgeschichten gerappt, gesungen und verklanglicht“ die verschiedensten Instrumente zum Einsatz. In der Markt-Zeit konnten Methoden aus dem neuen „KiGoKreativ-Koffer“ ausprobiert werden. Dafür standen unterschiedliche Materialien und jede Menge Bücher zur Verfügung.

Große Beachtung fand auch die Vorstellung des druckfrischen Liederheftes „Kirche mit Kindern II“ mit Landesbischof Ralf Meister, der später auch als weiteren Höhepunkt die Predigt beim Abendmahlsgottesdienst gestaltete. Der Kindergottesdiensttag findet alle vier Jahre statt. In Deutschlands größter Landeskirche zwischen Göttingen und Cuxhaven besuchen nach Angaben von Dirk Schliephake rund 22000 Kinder regelmäßig einen evangelischen Kindergottesdienst. Betreut werden sie von rund 8000 zumeist ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Der Kindergottesdienst macht die Jungen und Mädchen stark und widerstandsfähig, mit ihren Lebensumständen zurechtzukommen“, so der Pastor. Der Alltag von Kindern sei heute stark verschult, viele lebten als Einzelkinder. Dem stelle der Kindergottesdienst eine Gemeinschaftserfahrung entgegen. Zudem fänden viele Eltern über den Kindergottesdienst wieder einen Kontakt zur Kirche.

Von Michael Vollmer (Evangelische Zeitung)

„Was für Kinder“ - Ein Rückblick

6. Tag des Kindergottesdienstes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in Hildesheim

Rund 700 ehrenamtliche und berufliche Mitarbeitende aus dem Kindergottesdienst der gesamten Landeskirche trafen sich am 2. Juni auf dem Michaelishügel. Schon bei der Eröffnung war die Michaeliskirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine Kindergottesdienst Delegation aus Kamerun brachte mit einem afrikanischen Lied viel Sonne in die Herzen.

Überraschend traten 40 Kinder in die Kirche, stellten sich mitten unter die Menschen auf Stühlen und begannen aus ihrem Leben zu erzählen. Viele waren ergriffen von den Worten der Kinder über ihre verstorbene Oma oder ihren Alltagserfahrungen. „Wir wollten die Lebenswirklichkeit von Kindern nicht aus der Erwachsenenperspektive darstellen, sondern echte Kinder zu Wort kommen lassen, sagte Pastor Dirk Schliephake, der Kindergottesdienstbeauftragte der Landeskirche. Die biblische Perspektive auf Kinder brachte er durch einen sehr gelungenen Bibliolog zu Matthäus 15,21-28 ins Spiel: Eine Mutter kämpft für ihr krankes Kind.

Anschließend bildeten sich die Mitarbeitenden in 35 Praxiswerkstätten im Andreanum fort. Neben zahlreichen engagierten Kirchenkreisbeauftragten für Kindergottesdienst waren auch ausgezeichnete Referenten aus anderen Landeskirchen, England und Kamerun angereist.

In der Marktzeit konnten neue Materialien aus Bayern, Westfalen und Hannover erworben werden. 10 Kreativstationen luden zum Ausprobieren neuer Materialien und Methoden ein. Clownin Frieda aus Erfurt begeisterte mit Bibelgeschichten aus dem Koffer und ausgebildete Bibelerzählerinnen erzählten im Klosterhof und Krypta. Die Diakonischen Werke Himmelsthür lieferten ein leckeres Mittagessen. Dann wurde gemeinsam mit Landesbischof Ralf Meister das neue Liederbuch Kirche mit Kindern 2 zum Jahr der Kirchenmusik singend vorgestellt. Dabei übernahm Bischof Meister gerne die Rolle des Moderators. „Immer wird der Bischof gefragt, beim Kindergottesdienst kann er mal Fragen stellen", sagten Andreas Schley und Dirk Schliephake, die das neue Liederheft zusammengestellt haben.

Nach einer zweiten Werkstattrunde schloss der bewegte KiGotag mit einem sehr festlichen Abendmahlsgottesdienst, in dem das neue Liederheft in Gebrauch genommen wurde. Pastor Schliephake dankte allen Mitwirkenden, besonders den Schülern der Klasse 10e für ihre bemerkenswerte Mitwirkung. „Ein starker Tag mit vielen Ideen - ein wunderbarer Ort - wir kommen wieder“. So lauteten die Stimmen beim fröhlichen Abschied an der Kirchentür. Was für Kinder – Kindergottesdienst hat einen großen Schatz davon, das wurde an diesem Tag spürbar und erfahrbar.

Dirk Schliephake - Beauftragter für Kindergottesdienst

Arbeitsbereich Kindergottesdienst im Michaeliskloster

80 neue und bewährte religiöse Kinderlieder und liturgische Bausteine für Gottesdienste mit Kindern

Das neue Liederheft Kirche mit Kindern

Im Kindergottesdienst wird sehr viel und gern gesungen. Diese Lieder prägen
ganze Generationen und sind mit guten Erfahrungen von Kirche verbunden. Darum hat der Arbeitsbereich Kindergottesdienst im Michaeliskloster Hildesheim zum Jahr der Kirchenmusik ein neues Liederheft herausgegeben. Auf dem 6.Tag des Kindergottesdienstes wurde es vorgestellt und an alle Teilnehmenden verschenkt.

Das Liederheft bestellen

Impulse zu inklusiven Kindergottesdiensten

Inklusion ist nicht nur ein Thema für die Schule. Inklusion ist auch kein Konzept, das nur auf Menschen mit Behinderung zielt, sondern alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit aber mit gleichwertiger Menschenwürde umfasst. Dabei berücksichtigt ein inklusives Bildungsverständnis nicht nur Menschen mit und ohne Behinderung, sondern auch weitere Differenzen wie etwa sozialer und kultureller Hintergrund, Gender, religiöse Orientierung.

Kindergottesdienste sind von Anfang an Gottesdienste, in denen Kinder zusammenkommen verschiedenen Alters, unterschiedlicher Bildung, aus verschiedenen Milieus, mit verschiedenen Glaubenserfahrungen, auch Kinder mit Behinderungen, Ungetaufte, Kinder aus anderen Konfessionen und alle miteinander Gottes Nähe und Güte feiern.

Gemeinsam mit Gottesdienstteams: Verschiedene Männer, Frauen, Jugendliche, Mütter, Väter, Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Menschen zwischen 12 und 80 Jahren, mit unterschiedlichen Begabungen, Biografien, Glauben, Lebenserfahrungen, Behinderungen, Motivationen und Zielen. Was für eine Herausforderung, gemeinsam so miteinander Gottesdienst zu feiern, dass niemand ausgeschlossen wird! Und es gelingt immer wieder.

Kindergottesdienste haben einen reichen Erfahrungsschatz inklusiver Liturgie und ganzheitlich, lebensgeschichtlich orientierter religiöser Bildung. Und umgekehrt: Viele didaktische Prinzipien der inklusiven Pädagogik und Sonderpädagogik sind praxisrelevant für Gottesdienste mit Kindern. Die 14 Praxis-Impulse und Fragen dieses neuen Arbeitsheftes sollen das Team unterstützen, die eigene Konzeption zu prüfen und weiterzuentwickeln. Am besten gemeinsam mit Kindern und Menschen mit Behinderungen als Experten!

Beide Arbeitshilfen können hier bestellt werden