Bild: Harald Koch
Tagesthema
„366plus1 - Kirche klingt“ - Gospel Suprise in Osnabrück
366plus1 - Das klingende Bande heute in....
Nacht der Lieder –ein musikalischer Streifzug durch 500 Jahre Singen in der Kirche
Eintritt frei – kulinarische Pause um ca. 21 Uhr
Alte und neue Chormusik, Gospel, Choräle und Neue Geistliche Lieder zum Zuhören und Mitsingen, Orgelmusik und verbindende Moderationen zu Epochen, Komponisten und Liedertextern
Mitwirkende:
Chor „Cantamus Celle“, Leitung: Almut Höner zu Guntenhausen
Andrzej Berezynski, Klavier, und ein Instrumentalensemble
Chor „Gospel n’more“, Leitung: Claudia Griesser
Maike Jensen, Klavier
Moderation und Orgel: KMD Martin Winkler
366 plus 1 geht weiter
Die nächsten Stationen in der hannoverschen Landeskirche:
- So 20. Mai, (141) Tostedt, St. Johannes
- Mo 21. Mai (142) Uelzen, St. Marien
- Di 22. Mai (143) Lüneburg, St. Johannis
- Mi 23. Mai (144) Lüchow, St. Johannis
- Do 24 Mai (145) Gifhorn, St. Nicolai
- Fr 25. Mai (146) Burgdorf, St.Nikolaus
- Sa 26. Mai (147) Celle, Christuskirche Westercelle
Und dann verlässt die Konzertstafette die Landeskirche Hannovers und wechselt nach Braunschweig.
Gottesklang überrascht in der Fußgängerzone
Die wenigen Kinder auf dem Spielplatz nahe der Osnabrücker Innenstadt stutzen, unterbrechen ihr Spiel auf dem großen Holzschiff und staunen. Die Menschen an den Tischen der umliegenden Bistros und Restaurants heben die Köpfe, andere bleiben stehen: Erst ertönt eine Männerstimme, dann fallen andere Sänger und Sängerinnen ein. „Amen, Amen, Amen“ erklingt rhythmisch und in verschiedenen Tonlagen. Rund 50 Männer und Frauen in Alltagskleidung, die zunächst flanierten, sich unterhielten oder den Kindern beim Spielen zuschauten, ziehen sich im Spielplatzsand um einen Mann in hellem Anorak zusammen, sie achten auf sein Zeichen. Ein zweites Stück zaubert ein erneutes Lächeln in die Gesichter der Kinder und der meisten Umstehenden, manche wippen oder klatschen mit. Auf den letzten Ton antwortet der freundliche Beifall der Zuhörer.
Nach einer Viertelstunde ist der Zauber vorbei – und wie ein bisschen verzaubert wirkte der musikalische, ebenso andächtige wie fröhliche Moment. Eine junge Frau, die mit ihrem kleinen Sohn und der Mutter an einem der Tische zu Mittag isst, ihren Namen jedoch nicht nennen möchte, fand diese Überraschungsaktion „einfach toll“. Der Himmelfahrtstag und die Maiwoche, ein Veranstaltungsmarathon mit zahlreichen Bühnen und Ständen in der Osnabrücker Innenstadt, ziehen eine Menge Publikum an. Auf dem Weg zur nächsten Überraschungsstation zeigt sich Micha Keding, Jazz- und Kirchenmusiker, „erstaunt“ darüber, dass „die Reaktionen auf unsere überraschenden Auftritte so wohlwollend sind. Ich sehe in den Gesichtern ein Lächeln, freundliche Blicke und die Gesten zeigen, dass die Menschen sich nicht gestört fühlen.“ Den Osnabrücker Gospelchor, die Jacob’s Gospel Singers, leitet er seit 1997, gegründet wurde der Chor bereits 1991. „Die Passanten öffnen sich einfach der Musik und dieser Leichtigkeit des Gospels“, freut sich Keding.
Das wiederholte Amen des ersten Stücks macht schnell klar, dass hier musikalisches Gotteslob erklingt. Die Sänger, die eben noch wie normale Besucher der Maiwoche an den Schaufenstern, Ständen und Bühnen vorbei schlenderten, rücken erneut enger zusammen, bewegen sich rhythmisch, singen und klatschen auf das Signal ihres Chorleiters hin. Gospel Surprise heißt die Aktion zum Jahr der Kirchenmusik 2012 im Rahmen des „Neuland-Projektes“, diesmal an Stationen der Osnabrücker Innenstadt. Der Klang der Gospels bringt erneut und überraschend für ein paar Minuten das geschäftige Treiben drumherum zum Stillstand und die Menschen zum Wippen, Mitsummen oder –klatschen.
Besonders beindruckend ist die letzte Station im Osnabrücker Bahnhof – allein infolge des Klangraumes, den die historische Bahnhofshalle bietet. Hier werden manche der Umstehenden ganz andächtig – der nun gewaltige Klang der 50 Stimmen füllt den hohen Raum und macht den Bahnhof für Minuten zu einem Gotteshaus. Manche Reisende queren aber auch eilig und mit gesenktem Kopf das Rund der Sänger, einer sagt leise „ach, du Scheiße“ und biegt seitlich ab. „Wir finden toll, dass so etwas auch in einem Bahnhof möglich ist“, kommentieren hingegen Doris und Christian Rasper, beide mittleren Alters. Und auch junge Leute, Mitte Zwanzig, fühlen sich angesprochen von der Kirchenmusik im Bahnhof: „Das bringt einen für einen Moment aus dem Alltag raus“, sagt Dorit Schrewe und auch Wolfgang Hartmann, ihr Begleiter, ist begeistert, „dass die Leute stehen bleiben und einfach zuhören.“
NEULAND – Kirchenmusik an ungewöhnlichen Orten
Die ungewöhnliche Aktion des Michaelisklosters Hildesheim zum Jahr der Kirchenmusik zeigt von April bis Juli 2012, dass gesungenes oder von Instrumenten vorgetragenes Gotteslob auch in Bahnhofshallen oder Fußgängerzonen die Menschen erreicht. „Musik aus Neuland“ verlässt mit insgesamt knapp 50 Veranstaltungen (und zahlreichen Förderern) den vertrauten Kirchraum und begibt sich an Orte des öffentlichen Lebens: „Kirchenmusik entdeckt auf diese Weise Neuland“, sagt Silke Lindenschmidt, Landesposaunenwartin und Projektleiterin. Neben dem erfolgreichen und bestaunten Gospel-Surprise in der Osnabrücker Innenstadt und dem beeindruckenden Klangraum der dortigen Bahnhofshalle sind weitere Aktionen mitten im Alltags- oder Freizeittrubel – „genau da, wo man es nicht erwartet“ – geplant.
Aktionen mit Gospel- und Kirchenchören, mit Bläserensembles, Open-Air-Organisten und einem interaktiven Glockenturm „eröffnen neue musikalische Erfahrungsräume“ und sollen leicht und spielerisch Zugang zu traditioneller und zeitgenössischer Kirchenmusik bieten. „Von Ende April bis Mitte Juli werden 39 Aktionen im öffentlichen Raum und neun Anschlusskonzerte in ganz Niedersachsen stattfinden, die den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft anregen und beleben sollen“, verspricht Lindenschmidt und verteilt weiter lächelnd Postkarten an Passanten. Vor dem Osnabrücker Bahnhof zeigt sie sich begeistert über die „gute Resonanz“ und darüber, dass „richtige Gespräche“ mit den Passanten zustande kamen, die es toll fanden, dass Kirche „im Stile eines Flashmob zu den Menschen kommt.“
Das Video vom Start
Die Kirchenmusik verlässt 2012 ihre gewohnten Räume und erkundet Neuland: Raus aus den Kirchenmauern, mitten hinein in den pulsierenden Alltag der Städte. Kinder-, Gospel- und Kirchenchöre, Bläserensembles und sogar ein Organist tauchen unvermittelt an Plätzen auf, wo man sie am wenigsten erwartet – in der Fußgängerzone, am Spielplatz, im Freibad, auf dem Flughafen oder auf einer Inselfähre. Bläserskulpturen, experimentelle Glockenmusik und barocke Linien schaffen Freiräume für einen neuen Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft.
Insgesamt 39 Aktionen im öffentlichen Raum und neun Anschlusskonzerte in Kirchen sind von Mitte April bis Ende Juli 2012 in der gesamten Landeskirche Hannover geplant. Start war in Stade - ein Kamerateam des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen war mit dabei.
Mit dabei waren
Bisherige NEULAND-Aktionen
Start in Stade
Beim Auftakt zur Aktion Neuland wurden Passanten vor dem Museum Schwedenspeicher in Stade zu Komponisten. Per Fußtritt auf eigens installierte Platten konnten sie neun Musikerinnen und Musiker zum Spielen bringen. Das Bläserensemble - das Ensemble „Lappland“ unter der Leitung von Ulf Pankoke - hatte sich in Fenstern, auf Balkone und auf einem Schiff rund um den Platz postiert. „Die Passanten konnten zusammen mit anderen Musik machen. Fremde kamen miteinander in Kontakt“, sagte Silke Lindenschmidt.
Rendezvous in Hildesheim
Die Szenerie ist unwirklich: Am Hohnsen-See, mitten auf der Liegewiese, sitzt ein Mann im schwarzen Anzug und spielt Harmonium, singt etwas in lateinischer Sprache und stimmt schließlich ein Hallelujah an. Unterdessen laufen Jogger vorbei, Mütter schieben Kinderwagen vorüber, Jugendliche schütteln belustigt den Kopf, Radfahrer drosseln ihr Tempo. Und manche der Passanten setzen sich einfach auf die Gartenbank neben dem Harmonium, um eine Weile lang zuzuhören.
Bläserstatuen in Wolfsburg
Ich find, es ist eine tolle Erfahrung und ein so großer Unterschied, ob man von draußen oder von drinnen hört. Mein Sohn sagte gerade strahlend: „Das ist wie Weihnachten“.(Stefanie und Niklas Leppler, Wolfsburg)