Der erste Popkantor

Tagesthema 03. April 2012

Landeskirche will musikalisch neue Wege gehen

Die hannoversche Landeskirche hat ihren ersten „Pop-Kantor“. Der Musiker Til von Dombois (31) will mit neuen Songs, Keyboard und E-Gitarre ein junges Publikum ansprechen, sagte er am Donnerstag in der evangelischen Lutherkirche in Hannover, die als Jugendkirche genutzt wird.

Die Landeskirche will mit dem Projekt musikalisch neue Wege gehen. „Wir haben mit hochrangiger klassischer Musik und einer breiten Gospel-Bewegung gute Angebote für viele Generationen in der Kirche“, sagte Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann. „Mit dem Popkantor wollen wir die Musik einbeziehen, die Jugendliche heute hören“.

Til von Dombois, der eigentlich Tilmann Weiß heißt, trat die auf fünf Jahre angelegte Projektstelle bereits im Dezember an. Zurzeit arbeitet er an einem Songbook und einer CD als Grundlage späterer Workshops in Kirchengemeinden und Schulen. „Wir orientieren uns an den aktuellen Charts“, sagte er. „Die Musik soll 15-Jährigen gefallen, das ist das Ziel.“

Der Songwriter und Musikproduzent studierte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover die Richtung „Jazz Rock Pop“. Er ist auch Mitglied der hannoverschen A-cappella-Gruppe „Fünf vor der Ehe“, die 2010 den Kulturförderpreis der Landeskirche gewann.

Impulsgeber für das Konzept ist die evangelische Landeskirche, die drei Fünftel der Kosten für die Projektstelle übernimmt. Ein Fünftel trägt der Stadtkirchenverband Hannover, ein weiteres Fünftel der Kirchenkreis Laatzen-Springe.

Am 22. April um 18 Uhr stellt sich der neue Pop-Kantor mit einem Konzert in der Immanuel-Kirche in Laatzen der Öffentlichkeit vor. Dabei sollen auch Filme und das Internet eine wichtige Rolle spielen. In Norddeutschland ist Til von Dombois der erste Pop-Kantor. Andere gibt es bereits in den Landeskirchen von in Bayern, Kurhessen-Waldeck und Westfalen.

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Die neuen Songs sind nicht „pastoral“

Darüber wid kaum gestritten: Das Liedgut evangelischer Gesangbücher ist kaum ein Lockmittel für Jugendliche, um sie mit Kirche in Kontakt zu bringen. Das soll jetzt anders werden. Mit einem eigenen Pop-Kantor soll es für die Jugendlichen in Hannover musikalisch aufwärts gehen, soll es gelingen, Jugendliche auf musikalischem Wege anzusprechen.

Dafür haben der Stadtkirchenverband Hannover und der Kirchenkreis Laatzen-Springe gemeinsam die Stelle des PopKantors geschaffen. Sie ist zunächst auf fünf Jahre angelegt und wird von Til von Dombois besetzt. In der hannoverschen Landeskirche ist er der erste Popkantor, in Bayern und Baden-Württemberg ist diese Stelle bereits besetzt. Derartige Stellen gibt es bereits unter anderem in den Landeskirchen von Bayern, Kurhessen-Waldeck, Westfalen, Braunschweig und Nordelbien.
„Wir bieten eine breite Palette musikalischer Angebote für mehrere Generationen in der Kirche. Aber das, was Jugendliche heute hören, ist eine Welt, die wir im Moment nicht bespielen“, erklärt Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann den Hintergrund dieser Entscheidung, mit der frischer musikalischer Wind durch die Kirchen wehen soll. Wenn es für ihn und alle anderen wunschgemäß verläuft, steht hinter Til von Dombois nicht nur ein Mensch, sondern bald eine Marke.
Der 31-jährige Musiker ist vielen schon im Zusammenhang mit der Band „Fünf vor der Ehe“ ein Begriff. An der Musikhochschule Hannover studierte Til von Dombois Musik mit Schwerpunkt Jazz, Rock und Pop und arbeitete danach in den Peppermint Park Studios von Mousse T. als Jungproduzent. Die evangelische Kirche ist für den jungen Musiker keine unbekannte Größe. „Mein Vater ist Pastor, ich kenne also den Laden“.
Eine Zielgruppe unter 20 Jahre visiert der Popkantor an. Eine Mischung aus Dance und Beat, orientiert an den aktuellen Charts, soll Teenies ansprechen. Mit seiner Musik will der Pastorensohn keine Gottesdienste umgestalten, sondern ein neues, zusätzliches Angebot schaffen für die Zielgruppe, die sich bislang kirchenmusikalisch in der evangelischen Kirche kaum wiederfand.
Zum Konzept gehört ein neues Songbook, an dem von Dombois aktuell arbeitet. Ebenfalls in Produktion ist eine CD mit den neuen Songs, die christliche und gesellschaftliche Themen aufgreifen ohne dabei zu „pastoral“ zu sein. Sowohl die CD als auch das Songbook dienen künftig als Material für Workshops in Schulen und Kirchengemeinden.
Erstmals ist der Popkantor live zu erleben bei seiner Show am 22. April in der Laatzener Immanuel-Kirche. Die Premierenshow ist bereits so gut wie ausgebucht. Je nach Erfolg der Show sind weitere Konzerte und Shows des Popkantors geplant. Wer mehr über die neue Kirchenmusik wissen möchte, erfährt alles rund um den Pop-Kantor im Internet untere www.popkantor.tv.
 

Von Anja Reuper (Evangelische Zeitung)

Popkantor im Internet

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Im November 2010 bekamen Fünf vor der Ehe den Kulturförderpreis der Evangelischen Landeskirche Hannovers verliehen. Für Ihren Song zum Ökumenischen Kirchentag 2010 „Damit du Hoffnung hast“ wurden Sie von einer renommierten Jury aus Kultur und Kirche ausgewählt. Schon 2008 zählte Deutschlands älteste Musikzeitschrift Melodie & Rhythmus Fünf vor der Ehe zu den wichtigsten A-Cappella-Popgruppen des Landes.

Fünf vor der Ehe im Internet