Ehrenamt

Bild: Flügelwesen / photocase.com 

27. März 2012

Tagesthema

Woche der Brüderlichkeit

Bischof Meister betont zur „Woche der Brüderlichkeit“ Gemeinschaft von Christen und Juden

Im Gespräch: Ewald Wirth (Vorsitzender der Gsellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Hannover), Mary Sofer (Geschäftsführerin des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen), Landesbischof Ralf Meister und Wolfgang Scheel (Ehrenvorsitzender der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit Hannover) (von links nach rechts). Bild: Cordula Paul

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat zur „Woche der Brüderlichkeit“ in Hannover das besondere Verhältnis zwischen Christen und Juden hervorgehoben. „Die Gemeinschaft mit dem jüdischen Volk ist ein Teil unseres Glaubensverständnisses“, sagte Meister. Dennoch hätten die Kirchen Schuld auf sich geladen: „Die Kirchen stellten sich während des Nationalsozialismus nicht an die Seite der verfolgten Jüdinnen und Juden. Nur wenige Christinnen und Christen hatten den Mut, solidarisch zu handeln und Widerstand zu leisten.“

Musikalische Begleitung bei der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in Hannover: Klarinetten Duo Luisa Lohmann und Hugo Rodrigues. Bild: Cordula Paul

Seit 60 Jahren veranstalten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im März die „Woche der Brüderlichkeit“. Der evangelische Bischof erinnerte in der Festveranstaltung an eine Erklärung zur „Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“, die 1980 die Evangelische Kirche im Rheinland verfasst hat. Das hannoversche Kirchenparlament veröffentlichte später einen ähnlichen Text. Die Auseinandersetzung müsse aber weiter gehen und verankert werden, sagte Meister. Er habe angeregt, die theologischen Einsichten und das Bekenntnis der Schuld im Verhältnis zum Judentum in die Kirchenverfassung aufzunehmen.

Mary Sofer vom Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Bild: Cordula Paul

Zwar gebe es derzeit andere Herausforderungen an die Kirche, räumte Meister ein: „Das Gespräch mit dem Islam gehört dazu, aber auch die Situation einer Kirche, die sich in einem säkularen Umfeld neu auf ihre Verkündigung und ihren Auftrag besinnen muss.“ Auch darüber werde intensiv nachgedacht. „Aber all dieses darf niemals die intensive Auseinandersetzung mit dem Glauben des Judentums und seiner Bedeutung für die christliche Theologie und unseren Glauben verdrängen.“

Meister berichtete von seiner Begegnung als 14-Jähriger mit Pfadfindern aus Israel. Gemeinsam besuchten sie die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Neuengamme bei Hamburg, wo die israelischen Jugendlichen an NS-Opfer aus ihren Familien erinnerten. „Für mich wurde daraus eine persönliche Verantwortung“, sagte der Bischof, der unter anderem in Israel studiert hat. Die Verbrechen des Nationalsozialismus mahnten dazu, „gegen jede Form des Rassismus und jede Beschädigung der menschlichen Würde anzugehen“.

Zusammentreffen: Landesbischof Ralf Meister, Professor Andor Iszák und Stadtsuperintendent Hans Martin Heinemann. Bild: Cordula Paul

Unter einem Jahresthema „In Verantwortung für den Anderen – 60 Jahre Woche der Brüderlichkeit“ fanden in ganz Deutschland Veranstaltungen statt, die den Dialog zwischen Juden und Christen fördern sollen. Vor zwei Wochen wurde dabei der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider in Leipzig mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. In Hannover wurden Schüler der Humboldtschule und der St. Ursula-Schule mit der „Abraham-Plakette“ geehrt.

epd
 

Landesbischof im Wortlaut

Landesbischof Ralf Meister. Bild: Cordula Paul

Buber-Rosenzweig-Medaille für den Ratsvorsitzenden der EKD

Bei der zentralen Eröffnung der 60. „Woche der Brüderlichkeit“ am Sonntag im Leipziger Gewandhaus ist der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet worden. Die Festwoche im Zeichen der christlich-jüdischen Verständigung hat in diesem Jahr das Motto „In Verantwortung für den anderen“. Sie wird seit 1952 jeweils im März von den regionalen Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet.

Buber-Rosenzweig-Medaille für Nikolaus Schneider