2012_02_24

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Lebensberatung

Tagesthema 23. Februar 2012

Nachfrage nach psychologischer Hilfe stark gestiegen

Ein Ehepaar streitet sich im Beisein des Kindes
Streit gibt es in jedem Haus. Wenn es aber nur noch Streit gibt, ist Hilfe von außen nötig. Bild: Tatyana Gladskih / Fotolia.com   

Immer mehr Menschen haben in den vergangenen Jahren kirchliche Lebensberatungsstellen aufgesucht. „Die Schwelle, psychologische Hilfe anzunehmen, ist nicht mehr so hoch wie in den 1970er Jahren“, sagte der Leiter der Hauptstelle für Lebensberatung der hannoverschen Landeskirche, Reinhard Vetter, am Mittwoch dem epd. Die insgesamt 32 Beratungsstellen der „Arbeitsgemeinschaft Lebensberatung“ zwischen Harz und Ostfriesland feiern an diesem Donnerstag ihr 30-jähriges Bestehen.

„Die kirchliche Lebensberatung hat jedoch die Grenzen ihrer Kapazität nahezu erreicht und wird den künftigen Bedarf nicht mehr decken können“, sagte Vetter. Jährlich würden rund 21.000 Menschen psychologisch betreut. Dabei würden aber nur die Erziehungsberatung und die Schwangerschaftskonfliktberatung staatlich gefördert. Andere Beratungsstunden bei den kirchlichen Stellen müssten von den Klienten gemäß ihres Einkommens oft selbst finanziert werden.

Wie geht es weiter in der Partnerschaft?
Wie geht es weiter in der Partnerschaft? geben wir uns als Familie noch eine Chance? Bild: Wodicka

Die Beratungsstellen hatten sich in der Nachkriegszeit gegründet, auch weil die Gemeindeseelsorge mit den infolge des Krieges traumatisierten Menschen überfordert war, sagte Vetter. 1982 schlossen sich 15 Beratungsstellen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Heute sind insgesamt rund 180 Lebensberater und psychotherapeutische Fachkräfte in den Stellen tätig. Zum Jubiläumsempfang in Hannover hat unter anderem der evangelische Landesbischof Ralf Meister über „Leben mit Krisen“ gesprochen.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Hartmut Ladwig, sagte, in den vergangenen Jahrzehnten hätten sich die Probleme der Menschen und dementsprechend das Beratungsangebot vervielfältigt. So suchten heute oft Langzeitarbeitslose Hilfe, die gegen ein mangelndes Selbstwertgefühl ankämpften. Auch wurde 2010 von der hannoverschen Landeskirche eine Hotline für Opfer sexuellen Missbrauchs eingerichtet. Besonders zu Zeiten öffentlich gewordener Missbrauchsfälle meldeten sich Betroffene aus ganz Deutschland.

Außerdem seien die Lebensberater auch vorbeugend tätig, sagte Vetter. So gebe es in Lüneburg eine Beratungsstelle für Täterprävention. Es sei die Aufgabe der Kirche, die Menschen nicht nur in schönen Situationen wie Hochzeit oder Taufe zu begleiten. „Wenn eine Familie drei Kinder verliert, dann sollten wir nicht nur die Beerdigung ausrichten.“

epd

Sprache für andere Zeit finden

bischof meister 3
Landesbischof Ralf Meister

Die Lebensberater und Seelsorger, so Landesbischof Ralf Meister, arbeiten in einer anderen Zeit: „Natürlich gibt zu wenig Zeit für sie, ich weiß es. Aber sie arbeiten in einer Zeit, die nicht funktional erlebbar ist, sondern nur subjektiv“. Alle, die an beziehungen arbeiten würden oft im Zeitraum eines ganzen Lebens arbeiten: „Manchmal ist es voller Angst oder ohne Zukunft. Manchmal ist es tief erschöpft, manchmal verrückt nach Neuem. Das braucht eine andere Sprache, eine andere Einfühlung für den Umgang,“ gratulierte der Landesbischof der Arbeitsgemeinschaft Lebensberatung (AGL) zu ihrem 30jährigen Bestehen.

Eine Angebot - seit 30 Jahren

Vieles meistern wir selbst, aber manchmal brauchen wir Hilfe.

  • Wenn Sie ein Gespräch brauchen
  • sich Probleme in der Partnerschaft zeigen
  • Konflikte Ihre Familie belasten
  • Sie an Trennung oder Scheidung denken
  • Krankheit oder ein Verlust Sie niederdrückt
  • Sie unter Ängsten oder depressiven Stimmungen leiden
  • Sie nicht mehr weiter wissen oder alles sinnlos erscheint

können Sie sich an die Beratungsstellen der Landeskirche wenden!

Die Adressen der Beratungsstellen der Landeskirche