2012_02_07

 Bild: Werner Krüper

Die Hand halten

Tagesthema 07. Februar 2012

Ausbilder sehen hohen Bedarf an Hospizhelfern,
besonders auf dem Land

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Wie viele sterbende Menschen Marie-Luise Mennecke bis heute begleitet hat, kann sie nicht mehr zählen. Sie geht außerdem in Schulen und berichtet dort vom Sterben, von Tod und Trauer. Bild: Christian Mühlhausen

In der Versorgung mit Hospizdiensten gibt es nach den Worten des Theologen und Ausbilders Thomas Bretz-Rieck regional große Unterschiede. „Besonders in ländlichen Regionen fehlen Ehrenamtliche, die sterbende Menschen begleiten“, sagte der Fachreferent des Evangelischen Bildungszentrums Bad Bederkesa im epd-Gespräch. In Ballungsgebieten sehe die Situation besser aus. Das Bildungszentrum startet im Mai einen mehr als einjährigen Ausbildungskurs für Menschen, die Sterbende begleiten wollen.

Die meisten Menschen wollten gerne zu Hause sterben, sagte Bretz-Rieck. Doch statistisch gesehen geschehe das zu etwa 70 Prozent in Krankenhäusern und Pflegeheimen. „Auf dem Land ist das noch anders“, betonte der evangelische Pastor. Doch in der Sterbebegleitung würden Angehörige etwa neben dem laufenden Betrieb auf einem Bauernhof schnell überfordert. „Dann ist eine Entlastung durch einen ehrenamtlichen Hospizhelfer am Bett wertvoll.“

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Ort des Gedenkens an die verstorbenen Bewohner des stationären Hospizes „Hospiz Stuttgart“. Das Hospiz ist eines der ältesten in Deutschland. Bild: Gustavo Alabiso

Wer sterbende Menschen begleite, werde durch diese Erfahrung persönlich bereichert. „Das ist, als ob eine neue Tür aufgetan wird“, unterstrich Bretz-Rieck. „In der Ausbildung lernen sich die Teilnehmer selbst besser kennen, später in der Begleitung können Beziehungen mit großer Tiefe entstehen.“ Die Ausbildung erstrecke sich bewusst über eine längere Dauer, um den Teilnehmern genügend Zeit zu geben, um sich entwickeln zu können.

Viele beobachteten bis zum Ende des Kurses an sich selbst Veränderungen, bilanzierte Bretz-Rieck. „Sie trauen sich mehr, über ihre Gefühle zu sprechen, gehen offener mit Konflikten um und verstehen es auch besser, für sich selbst zu sorgen.“ Der Theologe ergänzte, im Angebot des Bildungszentrums Bad Bederkesa spiele Spiritualität ohne konfessionelle Zwänge eine zentrale Rolle: „Das ist eine wichtige Kraftquelle.“

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Eine Pflegerin hält die Hand eines Patienten. Bild: Werner Krüper