22. Januar 2012

Tagesthema

Das Auge des Herrn mästet das Vieh

Hannoverscher Landwirtschaftspastor fordert Solidarität zwischen Bauern und Verbrauchern

Aufbau für die "Grüne Woche" Bild: KdL

Für eine nachhaltige und tiergerechte Landwirtschaft tragen nach Ansicht des kirchlichen Agrarexperten Karl-Heinz Friebe Hersteller und Verbraucher Verantwortung. Nötig sei eine neue Solidarität zwischen Konsumenten und Produzenten, sagte der Referent für das Fachgebiet Kirchlicher Dienst auf dem Lande der hannoverschen Landeskirche zum Start der Grünen Woche in Berlin im epd-Gespräch.

Die Frage sei, ob Landwirte mit dem Argument der Nachfrage alles auf den Markt schieben und Verbraucher immer nur das billigste Produkt verlangen können. „Wir dürfen nicht vergessen, dass mit landwirtschaftlichen Produkten auch Geld verdient werden muss“, sagte Friebe. Der evangelische Pastor hält unter anderem den Kontakt zu Landwirten, Großproduzenten, Politik und Verbänden.

Die Kiche präsentiert sich auf der "Grünen Woche" Bild: KdL

Eine große Herausforderung in der Landwirtschaft seien derzeit tierethische Fragen, sagte Friebe mit Blick auf die Skandale in Hähnchenmastbetrieben vor allem in Niedersachsen. Doch auch in größeren Ställen müsse ein Tier in Würde leben können. Zudem müsse die Gesellschaft ihr Verhältnis zu den Landwirten überdenken. Viele Bauern hätten das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Im Moment habe er das Gefühl, dass wegen der Skandale alle Landwirte verdächtigt werden.

Friebe achtet beim Fleischkonsum nach eigenen Angaben darauf, wie das Fleisch produziert wird. „Natürlich esse ich noch Hähnchen, Geflügel und anderes Fleisch“, sagt er. Auf dem Speiseplan stehe auch Selbstgeschlachtetes. Der Pastor lebt mit seiner Frau auf einem Bauernhof und hält 50 Heidschnucken.

Landesbischof Ralf Meister im Gespräch am Stand des "Kirchen Dienst auf dem Landes" bei der "Grünen Woche". Bild: KdL

Bei der Grünen Woche vom 20. bis zum 29. Januar sind die großen christlichen Kirchen mit einem gemeinsamen Stand vertreten. Am Sonnabend, 21. Januar,  findet ein „LandKirchenTag“ statt, der mit einer Andacht eröffnet wurde. Mitgefeiert hat unter anderem der hannoversche Landesbischof Ralf Meister.

epd-Gespräch: Corinna Buschow
 

„Tiere müssen in Würde leben können“

Karl-Heinz Friebe

Drei Fragen an den hannoverschen Agrarexperten Karl-Heinz Friebe zur Grünen Woche

Der hannoversche Pastor Karl-Heinz Friebe ist Referent des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande der hannoverschen Landeskirche. Was ihm in der Landwirtschaft momentan am meisten Sorgen bereitet, sagte er anlässlich der Agrarmesse Grüne Woche in einem epd-Gespräch.

epd: Pastor Friebe, Sie kommen aus Niedersachsen. Hier gab es in den vergangenen Wochen vor allem negative Schlagzeilen über die Zustände in der Hähnchenmast. Essen Sie selbst noch gern Hähnchen?

Friebe: Natürlich esse ich noch Hähnchen, Geflügel und anderes Fleisch. Ich achte aber darauf, wer das produziert und vor allem wie das produziert wird. Die tierethischen Fragen sind momentan eine große Herausforderung für uns.

epd: Welche Entwicklungen in der Landwirtschaft machen Ihnen besonders Sorgen?

Friebe: Wir müssen uns die Fragen stellen, ob ein landwirtschaftliches Produkt ein beliebig austauschbares Massenprodukt sein soll. Außerdem müssen wir gucken, wo die Verantwortung in der Landwirtschaft liegt. Können Landwirte mit dem Argument der Nachfrage alles auf den Markt schieben? Und können Verbraucher immer nur das billigste Produkt verlangen? Wir dürfen nicht vergessen, dass mit landwirtschaftlichen Produkten auch Geld verdient werden muss. Deswegen brauchen wir eine neue Solidarität zwischen Konsumenten und Produzenten.

epd: In den nächsten Tagen sind Sie am Kirchenstand auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin zu finden. Was wird ihre wichtigste Botschaft an Landwirte und Verbraucher sein?

Friebe: Unser Engagement steht unter dem Titel „Das Auge des Herrn mästet das Vieh“. Der Herr ist hierbei der Hirte, der im Tier das Individuum sehen muss. Auch in größeren Ställen muss es in Würde leben können. Und gerade wenn es zum Schlachten vorgesehen ist, wächst die Verantwortung des Landwirts.

Die Gesellschaft muss sich indes fragen, wie sie mit ihren Landwirten umgehen will. Aus dem Kontakt mit Bauern weiß ich, dass sie das Gefühl haben, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Es ist richtig, dass beispielsweise geplante Stallbauten diskutiert werden. Im Moment habe ich aber das Gefühl, dass wegen einiger Skandale pauschal alle Landwirte, auch die von kleinen Betrieben verdächtigt werden.

epd-Gespräch: Corinna Buschow

Karl-Heinz Friebe

Tel.: 0511 1241-475

Archivstr. 3
30169 Hannover