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 Bild: Jens Schulze

Aus 3000 Kehlen

Tagesthema 17. Januar 2012

Riesenchor mit Gänsehaut - Musik wie im Rausch

3.000 Stimmen erheben sich im Kuppelsaal Hannover. Der Sound bei der ersten Probe überwältigt die Sängerinnen und Sänger selbst. Am 29. Januar wollen sie das Pop-Oratorium „Die zehn Gebote" gemeinsam mit Profis vor großem Publikum aufführen.

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Susanne Sander (42), Andrea Zernack (51) und Britta Meyer (44) (von rechts) proben am 14.01.2012 mit 3.000 weiteren Sängerinnen und Sängern für das Pop-Oratorium „Die zehn Gebote“ im Kuppelsaal in Hannover. Bild: Jens Schulze / epd

„Lächeln, aufstehen, klatschen“, ruft der Produzent und Komponist Dieter Falk von der Bühne. Die 3.000, die sich dann begeistert erheben, sind die Chorsänger für eins der größten Pop-Oratorien deutschlandweit: „Die zehn Gebote“. Das erste Mal haben sie am Sonnabend alle gemeinsam für zwei Aufführungen mit Profi-Musikern am 29. Januar in der TUI-Arena in Hannover geprobt.

Als aus 3.000 Kehlen die ersten Takte vierstimmig ertönen, hält es Andrea Zernack vor Begeisterung kaum noch auf ihrem Platz. Die 51-Jährige aus dem rund 50 Kilometer entfernten Rheden bei Hildesheim singt in der ersten Reihe mit. Hinter ihr ist der Kuppelsaal in Hannover, der als Probenraum dient, bis auf den letzten Platz gefüllt. „Das ist einfach Gänsehaut.“

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Rund 3.000 Sängerinnen und Sänger haben am 14.01.2012 im Kuppelsaal in Hannover für das Pop-Oratorium „Die zehn Gebote“ geprobt. Komponist und Produzent Dieter Falk ist überzeugt, das dies eins der größten „Mitsingspektakel“ in Deutschland ist. Bild: Jens Schulze / epd

Für das Projekt konnten sich Mitglieder aus verschiedenen Chören in der hannoverschen Landeskirche anmelden, die zu den Initiatoren gehört. Die Organisatoren hatten ursprünglich mit rund 1.000 Sängern gerechnet. „Wir hätten nie gedacht, dass daraus ein großes Chorfieber wird“, erzählt Falk begeistert. Der erfolgreiche Produzent von Musikern wie Paul Young oder Gruppen wie PUR spricht von einem riesigen Mitsingspektakel. Jeweils 1.500 seiner Chormitglieder werden am 29. Januar eine Aufführung um 14 und um 19 Uhr begleiten.

Hinten im Raum, bei den Bass-Stimmen, steht und singt Christoph Lilje. Der 66-jährige Hannoveraner ist überwältigt von dem Klang. „Mit so vielen Leuten gemeinsam zu singen, so etwas macht man nur einmal im Leben.“ Nur kurz können sich die Sänger zwischen den Songs hinsetzen, sich ausruhen, oder etwas trinken.

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Die Aufführungen gemeinsam mit Profi-Musikern finden am 29. Januar um 14 und um 19 Uhr in der TUI-Arena Hannover statt. Bild: jens Schulze / epd

Als Dieter Falk den Ohrwurm des Musicals „Liebe ist das Gebot“ dirigiert, reißt es alle wieder von den Stühlen und 6.000 Hände klatschen zum Takt des Gesangs. Bei den Aufführungen werden insgesamt drei Dirigenten auf der Bühne stehen, die über Funk miteinander verbunden sind. „Das Publikum wird eine Gänsehaut von hier bis an die Decke bekommen, wenn ihr das singt“, ruft Falk.

„Die zehn Gebote“ beschreibt die biblische Geschichte des Volkes Israel von der Berufung des Mose über den Auszug aus Ägypten bis zum Empfang der Gebote am Berg Sinai. Das Stück mit 19 Songs erzählt auch die Liebesgeschichte zwischen Mose und seiner Frau Zipporah. Die Solistenrollen werden unter anderen von Schauspieler Otto Sander als Stimme Gottes und der Pop-Sängerin Bahar Kizil von der ehemaligen Gruppe „Monrose“ als Zipporah besetzt. Die Texte stammen aus der Feder von Michael Kunze, der schon das Musical „Elisabeth“ und deutsche Übersetzungen für „König der Löwen“ und „Mamma Mia“ schrieb.

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Der Blick des Dirigenten. Bild: Jens Schulze  

Die Chorsängerin Ulrike Hartz aus Hannover hat einen Platz bei den Sopranstimmen im Oberrang gefunden. Der 49-Jährigen fehlen fast die Worte, um ihre Gefühle zu beschreiben. „Es ist erschlagend und es verbindet“, meint sie schließlich. Später sei ihr Chor aus Hannover noch mit einem befreundeten Chor aus Lüneburg verabredet.

Während das Komponisten-Texter-Duo Falk und Kunze bereits an einem nächsten Musical über die Geschichte des Mose arbeiten, wird das Oratorium in den kommenden Monaten auch in Braunschweig, Düsseldorf und Mannheim aufgeführt. Insgesamt seien in diesem Jahr rund 10.000 Sänger an dem Projekt beteiligt, teilen die Veranstalter der „Creativen Kirche“ aus Witten mit. Das Oratorium mit Riesenchor wurde 2010 in der Dortmunder Westfalenhalle uraufgeführt.

Im Kuppelsaal schwingen beim sprichwörtlichen „Tanz um das goldene Kalb“ auf allen Rängen die Körper im Takt der Musik. Die Vorfreude auf die Aufführung wird auch für Dieter Falk spürbar. „Ich hoffe, dass die Zuschauer mit unseren Liedern auf den Lippen wieder nach Hause fahren.“

Charlotte Morgenthal (epd)

Eine Idee wird Wirklichkeit

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Dieter Falk und Michael Kunze. Bild: www.die10gebote.de

Zu diesem einmaligen Chorprojekt, das im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 von den Autoren Michael Kunze und Dieter Falk entwickelt worden ist, haben sich über 2.500 Sängerinnen und Sänger angemeldet. Geplant war damals eine „One Shot“-Aufführung, die einmalig sein sollte. Knapp 100 Gospel-, Pop-, Kirchen- und Jugendchöre haben sich aus ganz NRW für das Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ begeistern lassen. Das Interesse an dem Projekt ebbte auch nach der Welturaufführung im Januar 2010 nicht ab. Viele Chöre und Sänger wünschten sich erneute Aufführungen mit der gleichen Dortmunder Besetzung oder wollten das Projekt bei sich vor Ort mit eigener Besetzung aufführen. Mehr als 40 dieser lokalen Projekte gab und gibt es bereits. Auch im großen Stil sollte es also für „Die 10 Gebote“ weitergehen - unter anderem am 29. Januar in Hannover

Zur Internetseite „Die 10 Gebote“ - dort sind auch die letzten Karten für die Aufführung am 29. Januar zu bekommen.

Der Schirmherr

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Landesbischof Ralf Meister freut sich über die Vielfalt der Angebote im Jahr der Kirchenmusik: Gottesklang 2012. Er hat begeistert die Schirmherrschaft über das Pop-Oratorium übernommen, aber auch für die Schütz-Tage.

Die Zehn Gebote

DAS ERSTE GEBOT
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir. 

Was ist das?
Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

DAS ZWEITE GEBOT
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. 

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern ihn in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

DAS DRITTE GEBOT
Du sollst den Feiertag heiligen.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondem es heilig halten, gerne hören und lernen.

DAS VIERTE GEBOT
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

DAS FÜNFTE GEBOT
Du sollst nicht töten.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Nöten.

DAS SECHSTE GEBOT
Du sollst nicht ehebrechen.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der Ehe einander lieben und ehren.

DAS SIEBENTE GEBOT
Du sollst nicht stehlen.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

DAS ACHTE GEBOT
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.

DAS NEUNTE GEBOT
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause trachten und mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienlich sein.

DAS ZEHNTE GEBOT
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.

Was ist das?
Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Gehilfen oder Vieh ausspannen, abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben anhalten, daß sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

WAS SAGT NUN GOTT ZU DIESEN GEBOTEN ALLEN?

Er sagt so: Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott. der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.

Was ist das?
Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen seine Gebote handeln. Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten