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Tagesthema
In den Schwachen mächtig
„Lass dir an meiner Gnade genügen,
denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."
Die Aufforderung „Sei stark!“ werde schon früh als erstrebenswertes Ziel auf den Lebensweg mitgegeben, schreibt Landesbischof Ralf Meister in einem Newsletter an die Unterrichtenden in der hannoverschen Landeskirche: „Aber Schwachheit gehört zum Leben. Im Gefühl der Überforderung, als Begleiterscheinung einer Krankheit, als ohnmächtiges Erleben eigener Grenzen, als Unterlegenheit bei Diskussionen, im Fragmentarischen unserer Lebensentwürfe.“
Schwachheit gehöre zum Leben, weiß der Landesbischof der größten deutschen Landeskirche. Sie werde täglich erlebt und erlitten: „Gerade in dieser Alltäglichkeit schüchtert sie ein und verunsichert uns.“ Daraus entstehe die Sehnsucht, mit der Menschen durch ihr Leben steigen auf der Suche nach Sinn und Verwurzelung. Sie würden gerade in dieser Suche Grenzen erleben, „Furcht vor den dunklen Dimensionen einer Tiefe, die ein Leben haben kann.“
„Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Die Jahreslosung für das Jahr 2012 greife auf, was schwer zu denken sei: „Schwachheit ist eine Realität, der wir nicht ausweichen können.“ Dabei schütze der Glaube nicht vor Schwachheit. Gerade Menschen mit außergewöhnlichen Glaubenserfahrungen und eindeutigen Offenbarungen blieben vor Ohnmachtsempfinden nicht bewahrt, zeigt Landesbischof Ralf Meister im Blick auf die Propheten des Alten Testaments oder Menschen in der Nachfolge Jesu, auf.
Weiter heißt es in dem Brief, der als Newsletter verschickt wurde:
„Wie umgehen mit solcher Schwachheit? Sie verstecken, sie überspielen, nach außen stark wirken? Mit ihr kokettieren und nach Aufmerksamkeit fischen, sie nutzen, um andere in den Dienst zu nehmen? Die Jahreslosung weist in eine andere Richtung. Zart tröstet sie die beschämt Schwachen, behutsam baut sie eine Brücke zu neuem Vertrauen. Schwachheit als lebensfördernde Tiefe im Leben anerkennen zu können ist der erste Schritt eines heilvollen Neuerlebens.“
Damit öffne sich eine neue Dimension: „Tief in´s Leben greifen und durch das Leid weit aus dem Leben reifen, weit aus der Zeit!“ hat Rainer Maria Rilke es beschrieben. Durch die Schwachheit hindurch zu wachsen - gehalten, behütet und gestärkt durch den, der aus dem zerbrochenen Leben auferstanden ist - das ist die Verheißung, die uns durch das neue Jahr leitet.
Neujahrsgruß im Internet
Zum Internetneujahrsgruß von Landesbischof Ralf Meister auf der Internetseite www.landesbischof-hannovers.de: „Ein frohes Neues Jahr!“ Es liegt ein Zögern in der Luft bei diesem Wunsch angesichts weltweiter Krisen.