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 Bild: Che / photocase.com

Castortransport am Adventswochenende

Tagesthema 24. November 2011

Ankunft des Castors dtatt Ankunft des Friedensfürsten

Ausgerechnet zum 1. Advent rollte der Castorzug Richtung Dannenberg zum Verladebahnhof. Angekommen ist an diesem Tag nicht. Dafür waren viele Menschen auf den Straßen und Wegen, zum Beispiel beim Gorlebener Gebiet. Darunter natürlich auch wieder viele Seelsorger. Renate Baumgarten und Hans Gerd Martens von ekn waren für Hit-Radio Antenne vor Ort.

Landesbischof Ralf Meister im ekn Interview zum Castortransport ins Wendland.

Faire, offene Suche nach einem geeigneten Endlager

Landesbischof Ralf Meister in seinem Bischofsbericht im November 2011:

"Wir brauchen eine Endlagerstätte, und nun suchen wir nach
Verfahrenswegen, die ethisch vertretbar sind. Das verlangt, die betroffenen Menschen ernst zu nehmen, Entscheidungswege transparent zu machen und Kriterien des Vorgehens international zu diskutieren und zu veröffentlichen. Und man lernt in Gorleben Ehrfurcht vor der Aufgabe und Demut im eigenen Denken und Handeln. Nicht das Vorstellbare ist das zentrale Problem, sondern vor allem das Unvorstellbare. Die Entscheidung hat den nationalen Kontext bekommen, den wir brauchen für eine Lösung. Unser Auftrag bleibt eine kritische Begleitung der Diskussion um das Endlagersuchgesetz und ein Beharren auf der öffentlichen Diskussion. Vor allem aber weiterhin eine intensive Begleitung der Menschen vor Ort, die eine faire, offene Suche nach einer Endlagerstätte in Deutschland fordern. An dieser Stelle geht mein ausdrücklicher Dank an die Seelsorgerinnen und Seelsorger im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg, die unermüdlich und nicht nur während der umstrittenen Castor-Transporte Menschen vor Ort begleiten. Stellvertretend für viele seien hier Propst Wichert-von Holten und Pastor Kruse genannt.
"

"Nicht die Würde aufs Spiel setzen"

Stephan Wichert-von Holten

Während des Castor-Transportes nach Gorleben zum Ende der Woche wollen mehr als 50 Seelsorger im niedersächsischen Wendland bei Konflikten zwischen Polizei und Demonstranten vermitteln. Die Pastoren und Diakone seine an weißen Westen mit der Aufschrift "Seelsorge" zu erkennen, sagte der Lüchower Propst Stephan Wichert-von Holten (Bild) dem epd. "Uns geht es darum, dass die gegenüberliegenden Seiten sich als Menschen wahrnehmen und nicht die Würde des anderen aufs Spiel setzen."

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Castor statt Adventskranz

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Landessuperintendent Dieter Rathing

Landessuperintendent Dieter Rathin schreibt an diesem Wochenende in der Evangelischen Zeitung:

An diesem ersten Adventswochenende rollt ein weiterer Castortransport auf Gorleben zu. Viele Proteste hat es gegen diese Terminwahl der niedersächsischen Landesregierung gegeben. Für die Bewohner der Orte, die an den Gleisen liegen, gibt es in diesen Tagen keine besinnlichen Stunden. Die vielen eingesetzten Polizisten und ihre Familien müssen auf die gemeinsame weihnachtliche Vorfreude am Adventskranz verzichten.
Kirchengemeinden im Wendland können den Beginn des neuen Kirchenjahres nicht wie gewohnt festlich feiern. Stattdessen müssen sie sich der gefährlichen Ankunft des hochradioaktiven Atommülls aussetzen. Die Adventsstimmung ist dahin. Das ist ärgerlich und macht wütend. Mich auch.
In der Kirche verbinden wir den Advent aber nicht nur mit „schöner Vorweihnachtszeit“. Christliches Zugehen auf die Geburt Jesu hat auch sein herbes Gesicht. Einige unserer Adventslieder geben darüber Aufschluss, manchmal auch in ihrer Melodie. „Mit Ernst, o Menschenkinder“ (EG Nr. 10) zum Beispiel. Da klingt nichts fröhlich oder süßlich. Eher sperrig und mahnend ruft das Lied zu Umkehr und Einsicht auf. „Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten …“
Vielleicht werden nur wenige Widersprecher zum Castortransport Zeit finden, das Lied an diesem Adventswochenende zu singen. Töne des Advents bringen die friedlichen Demonstranten dennoch zur Geltung, so herb sie auch klingen mögen. Herzen, die in Demut mahnen, menschliche Gesundheit und Sicherheit nicht vor wirtschaftliche und politische Interessen zu stellen. Herzen, die Hochmut wähnen, wenn ohne die Beteiligung der betroffenen Menschen die Sicherheit des Atommülls für eine Million Jahre in Gorleben verantwortet werden soll. Herzen, die Gottes Leiten zur tiefen Sorge um seine Schöpfung führt. Das ist adventlich, so herb es auch klingt.

Dieter Rathing
Landessuperintendent
in Lüneburg
 

Weitere Informationen

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Widerstand gegen Atomkraftwerke, Bild: Jens Schulze

Zwischenlager im Wendland, Wasser in der Asse, Atomkraftwerk in Grohnde, Suche nach dem Endlager, alljährlicher Transport von Castoren in den Norden Deutschlands - Themen die Niedersachsen und die hannoversche Landeskirche beschäftigen. Informationen dazu auf "Positionen".

Positionen "Atomkraft"