Streichhölzer verschiedener Farbe

Bild: sajola / photocase.com

Stimmen zu Kunst und Kultur: Horst Voigtmann

Kunst ist subjektive Zuspitzung Übersicht

Voigtmann
Horst Voigtmann

Kunst ist Geschmackssache, so sagen Menschen immer wieder. Dem einen gefällt ein Bild, eine Skulptur, der andere finde das gleiche Objekt grauenhaft.

Häufig stellt man sich die Frage: Würde ich das Bild in meinem Zimmer aufhängen?

Nun ist diese Fragestellung bei der Kunst in Kirchen nicht immer angesagt. Vermutlich käme keiner auf die Idee, etwa ein Altarbild oder ein Kruzifix, das für eine Kirche gestaltet wurde, in sein Wohnzimmer zu stellen.

Dennoch wird, meines Erachtens zu Unrecht bei der kirchlichen Kunst danach gefragt, ob man sie schön finde oder nicht. Nun könnte man es sich ganz einfach machen und kontern: Schöne Kunst ist langweilig, vielleicht noch dekorativ, aber am Ende auch nichtssagend.

Aber so einfach sollten wir es uns nicht machen.

Die Frage, ob uns ein Kunstwerk gefällt oder nicht, ist in den Zusammenhang meiner Meinung nach nicht angebracht. Viel wichtiger ist die Frage, ob ein Kunstwerk mit dem Betrachter redet, ob es einen neuen Blick eröffnet, eingefahrene Meinungen hinterfragt oder auch – gerade bei kirchlicher Kunst – neue Perspektiven für das Nachdenken über den persönlichen Glauben eröffnet.

Dabei kann es durchaus sein, dass eine Gestaltung, die den Betrachter zunächst nicht positiv berührt, interessante und ganz neue Gedankengänge bei ihm auslöst. Der Betrachter muss dem Werk Zeit geben und sich selber Zeit nehmen, um einen Dialog möglich zu machen.

Und noch ein weiterer Aspekt ist von Bedeutung: Der Künstler hat sich überlegt, wie er eine bestimmte Thematik umsetzen kann und ist zu einer Entscheidung gekommen. Vielleicht ist dem Betrachter das Thema nicht gerade fremd. Aber vermutlich hat er sich in ganz anderer Weise damit auseinander gesetzt. Und ist somit auch zu anderen Ergebnissen gekommen.

Der Künstler kann keine umfangreichen Gedankengebäude in sein Bild, in seine Skulptur hinein nehmen. Er muss reduzieren und zuspitzen. Und er tut das, indem er das Bild, die Skulptur in seiner künstlerischen Sprache gestaltet. Es gehört zur Achtung einem Künstler gegenüber, dass kein vorschnelles Urteil über sein Werk gefällt wird, sondern dass der Betrachter ihm eine Chance gibt.

Horst Voigtmann, Pastor in Wennigsen, Journalist und Künstler