Jahresabschluss 2014

Stabile Finanzsituation im Jahr 2014 schafft Handlungsspielräume

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist für die Verkündigung des Wort Gottes und die Darreichung der Sakramente verantwortlich. „Diese Verantwortung verpflichtet zum Zeugnis in der Öffentlichkeit, zur Wahrnehmung des Missionsauftrags der Christenheit in aller Welt und zum Dienst der helfenden Liebe“ (Art. 1 Abs. 2 Kirchenverfassung). Hieraus ergeben sich vielfältige Aufgaben, die nicht nur den Kirchenmitgliedern, sondern der gesamten Gesellschaft zugutekommen.
Für diese Aufgaben benötigt die Landeskirche Hannovers finanzielle Mittel, die ihr vor allem von den Kirchenmitgliedern durch die Kirchensteuer sowie durch Spenden zur Verfügung gestellt werden. Zudem erhält die Landeskirche auch vom Land Niedersachsen und von Kommunen finanzielle Mittel, etwa für konkrete Projekte und Initiativen.
Ein sorgsamer Umgang mit den anvertrauten Finanzmitteln und eine transparente Haushaltsführung sind besonders notwendig, damit Kirchenmitglieder, Spender und andere Geldgeber nachvollziehen können, wofür die Mittel verwendet werden.
Das Haushaltsjahr 2014 war durch eine stabile Ertragslage gekennzeichnet.
Insbesondere die Kirchensteuererträge haben die finanzielle Situation der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers im vergangenen Jahr weiter entspannt. Grund dafür waren die gute Konjunktur und die hohe Beschäftigung in Niedersachsen. Sie führten zu einem höheren Einkommensteueraufkommen und damit auch zu einem entsprechenden
Kirchensteuerzuwachs.
Zwar weist der Haushalt 2014 einen leicht negativen Betrag aus. Dies geht jedoch auf eine Einmalzahlung an die Pensionskasse zurück (siehe auch Gesamtergebnisrechnung).

 

Die gegenwärtig finanziell solide Lage ist jedoch nicht allein das Ergebnis der gestiegenen Kirchensteuererträge. Nicht zu unterschätzen ist daneben die konsequente Haushaltskonsolidierung der vergangenen Jahre, die durch die Entscheidungen der 23. Landessynode vorgegeben war. Von 2004 bis heute wurden dadurch jedes Jahr im Schnitt gut 10 Millionen Euro real eingespart. Damit konnte der Haushalt real um rund 120 Millionen Euro entlastet werden.
Dieser Weg war notwendig, weil die Defizite von 2003 bis 2011 in der Gesamtsumme über 300 Millionen Euro ausmachten und eine nachhaltige Sanierung des landeskirchlichen Haushalts erforderlich wurde.
Das Haushaltsergebnis 2014 beschert der Landeskirche einen finanziellen
Handlungsspielraum, den wir dazu nutzen, alle unsere kirchlichen Ebenen,
von den Kirchengemeinden bis zu den übergemeindlichen Einrichtungen, zu
entlasten und um uns auf die Herausforderungen des demografischen Wandels vorzubereiten.
Auf den folgenden Seiten gibt die Bilanz zum 31.12.2014 Einblicke in die
Vermögenslage 2014 der Landeskirche. Die Ertragslage 2014 ist in der Gesamtergebnisrechnung 2014 dargestellt. Die für 2015 vorgesehenen
Aufwendungen sind nach Handlungsfeldern gegliedert und geben den von der Landessynode beschlossenen Haushaltsplan in komprimierter Form wieder.
Abschließend zeigt die mittelfristige Finanzplanung, dass die Landeskirche in den kommenden Jahren mit ausgeglichenen Haushalten rechnen kann. Allerdings werden spätestens in der nächsten Dekade im Blick auf den demografischen Wandel und die damit einhergehende negative Kirchenmitgliederentwicklung weitere Strukturveränderungen notwendig sein.
 

Bilanz zum 31.12.2014 in Euro


Die Bilanz der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers umfasst im Haushaltsjahr 2014 ein Volumen von 1.126,9 Millionen Euro. In der Bilanz werden die Vermögenswerte der Landeskirche zum Stichtag 31.12.2014 zusammengefasst. Diese Übersicht über die Vermögenslage ist neu: sie ist Teil des neuen doppischen Rechnungswesens, auf das die Landeskirche das Haushaltsrecht umgestellt hat.
 


Die Aktiva oder Aktivseite der Bilanz zählt die einzelnen Vermögensgegenstände der Landeskirche auf. Im Anlagevermögen sind Gegenstände ausgewiesen, die der Landeskirche dauerhaft dienen. Hierzu zählen die Grundstücke und Gebäude (Sachanlagen) sowie die Unternehmensbeteiligungen etwa an der Comramo AG oder der Evangelischen Bank. Insgesamt beträgt das Anlagevermögen knapp 8 Prozent der Bilanzsumme.
Das Umlaufvermögen macht gut 90 Prozent der Bilanzsumme aus und besteht im Wesentlichen aus Forderungen an den Rücklagenfonds, der die auf der Passivseite ausgewiesenen Rücklagen und Rückstellungen decken soll. Damit wird dem Grundsatz der Finanzdeckung der Rücklagen und Rückstellungen nach § 75 Abs. 9 und § 77 Abs. 2 der kirchlichen Haushaltsordnung Rechnung getragen.


Die Passiva oder Passivseite der Bilanz enthält das Reinvermögen der Landeskirche. Es macht knapp 60 Prozent der Bilanzsumme aus. Hierin ist der Vermögensgrundstock mit rund 80 Millionen Euro enthalten. Die gesamten Rücklagen betragen 534 Millionen Euro und machen damit rund 47 Prozent der Bilanzsumme aus. In diesem Betrag ist auch die Risikorücklage von 40 Millionen Euro enthalten, die die Landeskirche für die Jahre 2017 bis 2022 aufbaut, um gegenüber den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen die zugesagten Planungsvorgaben aufrechterhalten zu können.
Die Rückstellungen betragen 361 Millionen Euro und haben sich um 130 Millionen Euro vermindert. Hierin enthalten ist die Versorgungsrückstellung für die öffentlich-rechtlichen Beschäftigten mit 314 Millionen Euro.
In dieser Höhe besteht bei der Norddeutschen Kirchlichen Versorgungskasse die Deckungslücke, die in jedem Haushaltsjahr durch ein versicherungsmathematisches Gutachten neu bewertet wird.
 

Gesamtergebnisrechnung 2014 in Euro

Sondereffekte 2014
* Die Versorgungsrückstellung konnte um 133,8 Mio. € ertragswirksam aufgelöst werden.
** Die Einmalzahlung an die Norddeutsche Kirchliche Versorgungskasse (NKVK) in Höhe von 208,2 Mio. € belastet die ordentlichen Aufwendungen.
 

Die Gesamtergebnisrechnung weist im ordentlichen Jahresergebnis einen Verlust von rund 900.000 Euro aus, der auf einem Einmaleffekt beruht. So sind beispielsweise in den Personalaufwendungen 208,2 Millionen Euro zusätzlich verbucht, die der Norddeutschen Kirchlichen Versorgungskasse (NKVK) zu überweisen waren. Damit konnte die dort bestehende Versorgungslücke für die öffentlich-rechtlichen Beschäftigten (Pfarrdienst und Kirchenbeamte) weiter verringert werden. Zwar war im Gegenzug die Versorgungsrückstellung im Haushalt der Landeskirche im Umfang von 133,8 Millionen Euro ertragswirksam aufzulösen: dennoch wurde die Ergebnisrechnung mit dem Differenzbetrag von gut 70 Millionen Euro zusätzlich belastet.
Die Zuweisungen in Höhe von 230,5 Millionen Euro fließen in die Kirchengemeinden und -kreise, damit diese ihre kirchlichen Aufgaben erfüllen können.
Der Betrag hat sich im Vergleich zu 2013 um 22,8 Millionen Euro verringert, da die Landeskirche im Vorjahr wegen der guten Kirchensteuerentwicklung einen Einmalbetrag an die Kirchengemeinden und Kirchenkreise verteilen konnte.
In der Position „Zuschüsse von Dritten“ sind die durch das Land Niedersachsen nach Art. 16 des Loccumer Vertrags zu zahlenden Staatsleistungen von 23 Millionen Euro verbucht. Mit diesen Staatsleistungen, die in vergleichbarer Höhe auch andere Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften erhalten, unterstützt der Staat die sozialen, kulturellen und gesamtgesellschaftlichen Aufgaben der Kirche, die im gemeinsamen Interesse von Staat und Kirche liegen. Von Seiten der Landeskirche werden im Gegenzug finanzielle Mittel für die Bereiche Soziales, Bildung oder Denkmalpflege aufgewendet, die ungefähr doppelt so hoch sind wie die erhaltenen Staatsleistungen.


Die Kirchensteuererträge haben sich auch 2014 weiter stabilisiert. Sie stiegen um rund 26,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Dass sich die Kirchensteuererträge in den letzten drei Jahren positiv entwickelt haben und die Landeskirche bis 2016 von leichten Zuwächsen ausgeht, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass an die hohen Zuwachsraten von 1970 bis 1992 nicht angeknüpft werden kann. Allerdings scheint die sehr negative Entwicklung der Jahre 1993 bis 2011, die einen Realverlust der Finanzkraft von über 30 Prozent und Haushaltsdefizite von über 300 Millionen Euro beschert hatte, überwunden.
 

Staatsleistungen

Rechtsgrundlage für die Staatsleistungen ist Art. 16, Abs. 1 Loccumer Vertrag.

  1. Das Land zahlt an die Kirchen vom 1. April 1955 ab als Dotation für kirchenregimentliche Zwecke und als Zuschüsse für Zwecke der Pfarrbesoldung und -versorgung jährlich 7.700.000,00 DM (Sieben-millionensiebenhunderttausend Deutsche Mark) (Staatsleistung an die evangelischen Kirchen).
  2. Der Betrag ist in seiner Höhe laufend den Veränderungen der Besoldung der Landesbeamten anzupassen. (...)