Streichhölzer verschiedener Farbe

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Geld

Vom Mammon - biblische Einsichten

Verschlossener Opferstock
Verschlossener Opferstock, Bild. Jens Schulze

Die Kritik des neuen Testamentes an Reichtum und Geld scheint eindeutig. Christus ist – so scheint es auf einen ersten und oberflächlichen Blick - ein Feind des Geldes. Er vertreibt die  Händler aus dem Tempel (Mt. 21), er verkündet, es sei leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in den Himmel komme (Mt. 19) und er formuliert ein Ausschließlichkeitsverhältnis, nach dem man nicht zugleich Gott und dem Mammon dienen könne (Mt 6,24; vergleiche: Lk 16,13):

"Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."

Damit verschärft Jesus von Nazareth die Geldkritik, die sich zum Teil auch schon im Alten Testament findet. Die Kritik im Alten Testament wendet sich vornehmlich gegen das „Geld heckende Geld“ also um das Zins- und Wucherverbot (2. Mose 22,24; 3. Mose 25,35ff). Das alttestamentarische Zins- und Wucherverbot hat das Neue Testament aufgenommen (Lk 6,34) und eine ganze Reihe von Konzilsbeschlüssen der Kirche haben es in der Kirchengeschichte bestätigt und zum kirchlichen Recht gemacht.

Doch wer die biblischen Texte noch einmal genau und ohne diese Grundeinstellung liest, wird anderes erkennen: Die Bibel verwirft Reichtum nicht in Bausch und Bogen. Es gibt auch keine generelle Verwerfung des Geldes. Es gibt keine prinzipielle biblische Ablehnung des Reichtums. Es kommt darauf an, was man draus macht. Biblisch lässt sich ein Armutsideal, wie es in der Kirche immer wieder gedacht und absolutistisch vertreten worden ist, nicht zwingend ableiten.

Reichtum aus theologischer Sicht

„Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist,“

(Luk 20,25) heißt auch, dass steuerliche Erhebung im weltlichen Maßstab rechtens ist. Jesus verwirft nicht den Reichtum, sondern seine falsche Verwendung. Er verurteilt nicht das Geld, sondern seinen gemeinschaftsschädlichen oder menschenverachtenden Einsatz.

Diese Tradition setzt sich fort durch die Geschichte der Kirche. Zwar gibt es das mönchische Armutsideal, das aber mit ganz wenigen Ausnahmen der Bettelorden, nicht zu einer prinzipiellen Ablehnung des Wirtschaftens geführt hat. Viele Klöster waren durch die Geschichte bis heute prosperierende Unternehmen mit eigenen Brauereien, Forst- und Landwirtschaften. Grundsätzlich wird nicht die Ökonomie oder das Geld abgelehnt sondern seine menschenverachtende, Gemeinwesen zerstörende Verwendung.

Schon Martin Luther hat an unverhältnismäßigen Einkommen Anstoß genommen. Mit Blick auf die in kürzester Zeit zu Reichtum gekommenen Unternehmer des Frühkapitalismus stellt er fest: „Wie sollt das immer mögen göttlich und recht zu gehen, dass ein Mann in so kurzer Zeit so reich werden, dass er Könige und Kaiser aufkaufen möge.“

Diesen Satz, so Landesbischof Ralf Meister, „kann man direkt übertragen auf die zeitweilige politische Paralyse im Umgang mit den Gesetzlichkeiten des Finanzsystems. Nicht wenige reden von einem Scheitern der Politik im Zusammenhang der Finanzkrisen. mangelnde Transparenz, undurchschaubare Finanzflüsse, mangelnde politische Regulierung.“

So der Prophet Jesaja:

„So soll euch diese Süde sein, wie ein Riss, wenn es beginnt zu rieseln an einer hohen Mauer, die plötzlich, unversehens einstürzt.“

Dieses Wort des Propheten hat die EKD 2009 als Leitwort ihrer Äußerung zur Finanzkrise genommen.