Streichhölzer verschiedener Farbe

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Friedenstexte

Der erste Mord - so hat es begonnen

Die biblische Geschichte von der Erschaffung der Welt erzählt, dass Gewalt von allem Anfang an menschliche Wirklichkeit war und ist: Seit der Vertreibung aus dem Paradies üben Menschen gegen Menschen Gewalt aus. Oder anders ausgedrückt: Auf dieser Welt erschlug schon der dritte Mensch seinen Bruder.

Die Lyrikerin Hilde Domin (1909-2006) hat dies in einem Gedicht noch einmal gespiegelt:

„Abel steh auf
es muß neu gespielt werden
täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
wie sollte ich nicht dein Hüter sein.

Täglich steh auf
damit wir es vor uns haben
dies Ja ich bin hier
ich
dein Bruder

Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird

Ich schreibe dies
ich ein Kind Abels
und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte

Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen

Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein

und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein

„Abel steh auf“ von Hilde Domin, mit freundlicher Genehmigung des S.Fischer Verlags, Frankfurt

10. Jahrestag
11. September 2001

Meister 9-11

Ein erschreckender Höhepunkt menschlicher Gewalt war der 11. September und die Anschläge auf die Twin-Towers in New York und das Pentagon in der Nähe von Washington. Landesbischof Ralf Meister erinnert sich zehn Jahre später.