Streichhölzer verschiedener Farbe

Bild: sajola / photocase.com

Frieden & Gewalt

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder genannt werden.“ (Matthäus 5,9)

Aus dieser biblischen Verheißung bezieht christliche Friedensarbeit ihre Kraft und ihre Vision. Jenseits von blindem Aktionismus und resignativer Ohnmacht bietet sie Möglichkeiten, konkrete Schritte auf dem Weg zu einem gerechten Frieden zu gehen.

„Gerechter Friede“ statt „Gerechter Krieg“ – Paradigmenwechsel in der Friedensethik

Friedensbotschaft auf der Berliner Mauer / Bild: Klaus Burckhardt

„Die Geschichte führt uns, insbesondere im Zeugnis der historischen Friedenskirchen, vor Augen, dass Gewalt gegen den Willen Gottes ist und keine Konflikte lösen kann. Aus diesem Grund gehen wir über die Lehre vom gerechten Krieg hinaus und bekennen uns zum gerechten Frieden. Voraussetzung dafür ist, dass Konzepte nationaler Sicherheit, die sich exklusiv auf die eigene Nation konzentrieren, zugunsten der Sicherheit für alle überwunden werden.“
Abschlusserklärung der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation

"In der Feinesliebe erweist Gott sich als Gott, und in unserer Feinesliebe erweisen wir uns als Gotteskinder." (EKD-Friedensdenkschrift, 2007, S. 46)

—Nach dieser grundlegenden Einsicht müssen wir lernen, dass militärische Mittel nicht zum Frieden führen können. Unser friedensethischer und friedenstheolgischer Diskurs, unsere Friedensbildungsarbeit muss immer vom Frieden her denken und nicht vom Krieg. "Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten." Dieser Grundsatz bildet das Zentrum der kirchlichen Friedensarbeit und wird in vielfältigen Projekten umgesetzt. Wir gehen mit auf dem "Ökumenischen Pilgerweg in Gerechtigkeit und Frieden", wie ihn der Ökumenische Rat der Kirchen 2013 ausgerufen hat.

„Nichts zeichnet einen Menschen so sehr aus als dies: Friedensstifter zu sein.“ (Basilius der Große, 4. Jahrhundert)

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Die Evangelische Kirche muss ihre Stimme erheben gegen die Rüstungsausgaben und Rüstungsexporte!

Lutz Krügener
Beauftragter für Friedensarbeit in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Hannover 16. April 2015

2014 wurden 1,7 Billionen Dollar für Rüstung ausgegeben. Der weltweite Rüstungswettlauf bleibt unvermindert in Fahrt. China, Russland, Brasilien, Saudi – Arabien, fast alle Länder rüsten verstärkt auf. Die NATO fordert 2% des BIP für Rüstung, das wäre für Deutschland fast Zweidrittel mehr als im aktuellen Bundehaushalt. Deutschland bleibt einer der größten Waffenproduzenten weltweit. Auf der anderen Seite erhält die UN, die eine Friedensmacht sein soll, nur einen Bruchteil der Grundausstattung, die sie bräuchte, nur 25 Milliarden statt benötigter 100 Milliarden.

Aber Abrüstung wäre möglich, wenn wir es denn wollten und danach handelten. Hierfür müssen wir als evangelische Kirche unsere Stimme erheben. Als eine der Kirchen, die die größte Menschheitskatastrophe, den 2. Weltkrieg mit dem Holocaust, in ihrer Breite mitgetragen hat, die den Militarismus nicht hinderte, sondern förderte, sind wir jetzt gefordert. Die Welt braucht die Kirchen nicht als eine Stimme in dem Chor, der die Kriege, Aufrüstung und Waffenexporte rechtfertigt oder schweigt, diese Stimmen sind überlaut. Aber wir, als Christinnen und Christen, müssen die Stimme erheben für die Feindesliebe, für die Versöhnung der Religionen, für die Bedürftigen und Schutzlosen, für eine Umverteilung der Rüstungsausgaben in Sozialleistungen, Bildung, Umwelt, zivile Konfliktbearbeitung und Entwicklung. So könnten die dringendsten Probleme der Weltbevölkerung entschiedener gemildert werden. Deshalb ist das Gebot der Stunde keine Erhöhung, sondern eine Senkung des Rüstungsetats.

Wir sollten unseren eigenen Grundlagen wieder trauen: „Schwerter zu Pflugscharen“, „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“, „Ich aber sage euch, liebt eure Feinde.“, „ Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein!“ All die Toten der Weltkriege, der folgenden und aktuellen Kriege mahnen dies an.

Deshalb müssen wir uns als Kirche entschieden gegen den aktuellen politischen Willen wenden, den Militärhaushalt der Bundesrepublik wieder zu erhöhen. (Auszug)

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