Frieden & Gewalt
Der erste Mord - so hat es begonnen
Die biblische Geschichte von der Erschaffung der Welt erzählt, dass Gewalt von allem Anfang an menschliche Wirklichkeit war und ist: Seit der Vertreibung aus dem Paradies üben Menschen gegen Menschen Gewalt aus. Oder anders ausgedrückt: Auf dieser Welt erschlug schon der dritte Mensch seinen Bruder.
Die Lyrikerin Hilde Domin (1909-2006) hat dies in einem Gedicht noch einmal gespiegelt:
„Abel steh auf
es muß neu gespielt werden
täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
wie sollte ich nicht dein Hüter sein.
Täglich steh auf
damit wir es vor uns haben
dies Ja ich bin hier
ich
dein Bruder
Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
ich ein Kind Abels
und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte
Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen
Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein
und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein“
Gewalt überwinden
Historisch standen die Kirchen nicht immer auf der Seite der Gewaltfreiheit, auch wenn in den zehn Geboten deutlich formuliert ist: „Du sollst nicht töten.“ Aber in den letzten Jahrzehnten haben die Kirchen weltweit immer deutlicher und klarer Gewalt zwischen Menschen kritisiert. Dabei geht es nicht nur um die Gewalt zwischen Staaten und Völkern, sondern genauso gegen die Gewalt zwischen den Geschlechtern, den Generationen, im häuslichen Umfeld oder Jugendlichen, Gewalt in den Städten und in den Stadien.
Im Dezember 1998 wurde am letzten Konferenztag der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Harare auf Antrag des Vertreters der Mennonitischen Kirche, Fernando Enns, folgender Zusatz den Programmrichtlinien beigefügt: „Der Ökumenische Rat der Kirchen erklärt daher den Zeitraum 2001-2010 zur Ökumenischen Dekade zur Überwindung der Gewalt.“ Dem Rat wird dabei empfohlen, in Fragen der Gewaltlosigkeit und Versöhnung mit den Kirchen strategisch zusammenzuarbeiten, mit anderen internationalen Partnern zu kooperieren und geeignete Ansätze zur Konfliktbewältigung zu prüfen und zu entwickeln, um eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu schaffen“.
Mit diesem Beschluss wird nicht nur ein Schwerpunkt für die Arbeit des Ökumenischen Rates benannt, sondern auch eine klare Handlungsanweisung gegeben. Die Dekade knüpft dabei an eine ganze Reihe von Erklärungen, Programmen, Studienprozessen und laufenden Aktivitäten des Ökumenischen Rates an wie z.B. an der Kampagne Peace to the City.
Der 11. September 2001
Ein erschreckender Höhepunkt menschlicher Gewalt war der 11. September und die Anschläge auf die Twin-Towers in New York und das Pentagon in der Nähe von Washington. Landesbischof Ralf Meister erinnert sich zehn Jahre später.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden...
Das Recht und die Rechtsprechung begrenzen die Ausübung von Gewalt zwischen den Menschen. Dies hat Landesbischof Ralf Meister in einer Predigt anlässlich des 300jährigen Jubiläums des Oberlandesgerichts Celle ausgeführt.
Aus unserer Landeskirche
Informationen aus der EKD
Viele Informationen über die Dekade zur Überwindung von Gewalt
Denkschrift des Rates der EKD im Rahmen der Dekade „Gewalt überwinden“, 2007 (pdf)
Gewaltsame Konflikte und zivile Intervention an Beispielen aus Afrika -
Herausforderungen auch für kirchliches Handeln, EKD-Texte 72, 2002
Orientierungspunkte für Friedensethik und Friedenspolitik, Ein Beitrag des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, EKD-Texte 48, 1994 (3. erweiterte Auflage 2001)