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Atomkraft
Energieversorgung als Herausforderung der Zukunft
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht in der weltweiten Energieversorgung eine der größten technischen, sozialen, ökologischen und politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Ein großer Teil der Weltbevölkerung habe bereits keinen Zugang zu finanzierbarer Energie und zu Wasser, sagte Meister bei einer Diskussion zu Ethik und Verantwortung im Ingenieurberuf am Samstagabend in Loccum bei Nienburg. Nur der sparsame Umgang mit Ressourcen schaffe Gerechtigkeit und ermögliche späteren Generationen eine Zukunft.
„Es ist ethisch inakzeptabel, dass Verursacher und Leidtragende des hohen Energieverbrauchs nicht identisch sind“, sagte der evangelische Bischof dem epd. Energie- und Wasserarmut führe in manchen Teilen der Welt zu Arbeitslosigkeit, Hunger, Krankheit und bitterer Not. Die steigenden Ernährungspreise hingen mit den steigenden Energiepreisen zusammen.
Aus christlicher Sicht müsse Technik dem Leben dienen, sagte der Bischof in seinem Impulsreferat zu den „Loccumer Gesprächen“. Die natürlichen Lebensgrundlagen dürften nur soweit verbraucht werden, dass sie künftigen Generationen weiter zu Verfügung stehen. „Der Mensch ist Kreatur und nicht Kreator.“ Weil Menschen Fehler machten, gehöre es zur technischen Vernunft, alle Entwicklungen beherrschbar und korrekturfähig zu halten. Dies müsse etwa bei der Diskussion um die Lagerung von Atommüll im Salzstock Gorleben und an anderen Orten beachtet werden.
In der hannoverschen Landeskirche gelegen: Gorleben
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat einen Neuanfang bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland gefordert. Dazu gehöre auch, dass die Erkundungsarbeiten im Gorlebener Bergwerk gestoppt werden müssten, sagte Schneider nach einem Besuch des Salzstocks am Sonnabend. „Man braucht ein neues Konzept.“ Unterdessen demonstrierten im Landkreis Lüneburg sowie an mehreren anderen Orten in Niedersachsen mehrere hundert Atomkraft-Gegner gegen den geplanten Castor-Transport am 24. November. Bundesweit protestierten rund 6.000 Menschen.
EKD-Chef Schneider war gemeinsam mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister zwei Tage durch die Region gereist. Für die Kirche sei der Gorleben-Konflikt auch nach dem Atomausstieg ein nationales Thema, betonte er: „Aus der Endlager-Problematik kann man nicht aussteigen. Wir haben hier ein Ewigkeitsproblem.“ Wichtig sei es, Vertrauen, Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung zu schaffen. In Gorleben habe es in der Vergangenheit den Eindruck gegeben, die Kriterien für ein Endlager seien den jeweiligen Gegebenheiten angepasst worden.
Meister ergänzte, in der Region herrsche seit einer Generation große Verunsicherung. „Es gibt ein so großes Misstrauen, dass Menschen manchmal nicht mehr das Gefühl haben, hier zu Hause zu sein“, sagte er nach Gesprächen mit Gorleben-Gegnern, Kirchenvertretern und Vertretern des Bundesamtes für Strahlenschutz.
Energie sparen, Kosten senken, Schöpfung bewahren
Im August 2011 fiel der Startschuss für die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzepts für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Im Laufe eines Jahres wird unter der Beteiligung der Kirchenkreise und der Gemeinden eine Klimaschutzstrategie für die Landeskirche entwickelt; die Federführung liegt beim Landeskirchenamt Hannover.
Laut Synodenbeschluss von 2007 will die Landeskirche in einem Zehnjahreszeitraum 25 Prozent ihrer CO2-Emissionen einsparen. Das Klimaschutzkonzept wird zeigen, wie weit wir uns diesem Ziel schon genähert haben und mit welchen Maßnahmen wir es erreichen können. Darüber hinaus werden Vorschläge erarbeitet, wie weitergehende Klimaschutzmaßnahmen etwa bis zum Jahr 2050 aussehen können. Die Bundesregierung strebt für Deutschland eine Verringerung der Treibhausgasemissionen von 80 Prozent bis 2050 an – dazu wollen auch wir unseren Beitrag leisten. Allerdings steht fest, dass die Möglichkeiten der Energieeinsparung in denkmalgeschützten Gebäuden oft nur gering und dass unsere Haushalte schon jetzt sehr angespannt sind. Doch Klimaschutz wird auch zur Entlastung der kirchlichen Haushalte beitragen: Klimaschutz bedeutet bei uns vor allem Energie einzusparen.
Dabei sind Ideen, Kreativität und Engagement gefragt. Wir wollen nicht nur über Klimawandel und Klimaschutz reden, wir wollen praktisch helfen, die Schöpfung zu bewahren. Dafür brauchen wir Ihre Beteiligung.
Im Vordergrund stehen die Erfassung und Erschließung der Einsparpotenziale in den über 8.000 Gebäuden der Landeskirche. Daneben werden die klimarelevanten Bereiche Mobilität, Beschaffungswesen sowie die Nutzung kirchlicher Flächen untersucht.
Weitere Informationen
Landesbischof Ralf Meister:
„Es braucht keinen Mut mehr zu sagen, dass es keine Zukunft mit Atomenergie geben darf. Zugespitzt: Mich hat bei der der Formulierung von der 'Brückentechnologie Kernenergie' immer bewegt, dass diese Technologie auch eine Brücke in den Tod ist. Das war doch seit Tschernobyl klar.“
Die Landeskirche und ihr Engagement in Umweltfragen
Beratung für das Energiemanagement bei kirchlichen Gebäuden bietet der Umweltbeauftragte der Landeskirche
Informationen aus der EKD
Kirchliche Diskussionen in Niedersachsen und Bremen
Mit dem Zwischenlager in Gorleben auf dem Gebiet der hannoverschen Landeskirche und dem Lager in der Asse auf dem Gebiet der braunschweigischen Landeskirche sind die Kirchen in der Diskussion um den Atomstrom besonders herausgefordert.
Energiemanagement
Hilfe für Tschernobyl-Kinder
Die Tschernobyl-Hilfe der Landeskirche bietet den Menschen in Weißrussland, bei denen sich Jahr für Jahr die negativen gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastrophe Hilfe an, vor allem für die Kinder im Oblast Gomel.